Kripper Pfarrkirche ©
© Bericht von Willy Weis und Hildegard Funk
Die katholische Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk, auf der höchsten Stelle des Ortes erbaut, ist neben dem Wasserturm zweifellos die Dominante im Weichbild Kripps und bildet als höchstes Gebäude das Wahrzeichen der jungen Pfarrei. Von der Ortsmitte aus betrachtet wirkt das Gebäude eher versteckt hinter einem baumbewachsenen Kirchenvorplatz. Grund dafür ist die Nichtvollendung des ursprünglich vorgesehenen Bauwerks in einer zweiten Bauphase. Die planerischen Umrisse hatten dafür eine Erweiterung um 12 Meter näher an die Quellenstraße heran vorgesehen. Die Entstehung und Erstellung des Bauwerks ist wegen der “Jugendlichkeit” des Bauwerks genau erfassbar.
Auf Grund der engen Raumverhältnisse im Johannessaal, wo viele Kripper Gläubige die Gottesdienst Feier wegen dauernder Überfüllung nur noch außerhalb der Kapellentüren wahrnehmen konnten, fand dieser Wunsch die sofortige Zustimmung des Erzbischöflichen Generalvikariats.
Bei den Verhandlungen zur Errichtung einer Kapellengemeinde und Pfarrei, wurde schon die Notwendigkeit einer geräumigen Pfarrkirche hingewiesen. Pläne wurden schon um 1880 erwähnt. Mit Dechant Müller kam 1877 ein Mann nach Remagen, der in Bausachen sehr erfahren war, da er schon in seiner früheren Pfarrei Waldorf eine Kirche und ein Pfarrhaus errichtet hatte.
Die geistliche und weltliche Behörde stellte während einer Kirchenvorstandssitzung am 30.Dezember 1998 die Notwendigkeit eines Kirchenneubaus für Kripp fest. Der Vorstand bestand aus den Herren Pfarrer Müller, Dr.Kohlmann, Eifler, P.J.LangenIV, Kindshofen, Neukirchen sowie den Herren Klein und Rick aus Kripp. Der Kirchengemeinde Kripp sollte seiner wachsenden Einwohnerzahl von damals 650 Seelen entsprechend eine Kirche gebaut warden, da “schon jetzt regelmäßiger Gottesdienst daselbst stattfindet, aber die dort bestehende Kapelle ….. durchaus nicht mehr genügt, abgesehen davon, dass dieselbe schon 100 Jahre alt ist, ohne jeglichen Stil ganz und gar, weil dem Rheinwasser ausgesetzt ist, feucht ist und sich in einem unwürdigen Zustand befindet.”

Geplant war der Neubau auf einer Hochwasser freien Parzelle in einer Größenordnung von 520 Personen. Die Errichtung sollte in zwei Bauabschnitten erfolgen. Dieser Beschluss wurde der bischöflichen Behörde vorgelegt und am 11. Februar 1899 unter dem Aktenzeichen Ni6437 genehmigt. Man ging in einer Vorstandssitzung von einem Kredit in Höhe von 10.000 Mark aus, der auf 40 Jahre abzutragen sei. Dabei legte man die Erwartung zu Grunde, dass die Bewohner Kripps wie bisher, auch fernerhin zu freiwilligen Gaben für den Bau bereit seien: Der Grund der Opferbereitschaft breiter Schichten der Kripper Gläubigen läßt die tiefgläubige Haltung der hiesigen Bürgerschaft zur damaligen Zeit erkennen. Aus dem Fond Lenzen wurden 1896 18.000 Mark für den Kirchenneubau abgetrennt. 1898 betrug der Fond schon 26.000 Mark. Großzügige Spenden und kleinere Stiftungen für kirchenbauliche Zwecke ließen den Baufond rasch anschwellen, so dass man bald mit dem Neubau beginnen konnte. Der Fond aus freien Gebern betrug zu diesem Zeitpunkt 2.600 Mark, der Kirchenfond 38.000 Mark.
Mit der Planung beauftragte man den aus Kottenheim bei Mayen stammenden, renomierten Kirchenbaumeister C.C.Pickel, der zugleich auch den Erweiterungsbau der Remagener Pfarrkirche St.Peter und Paul durchführte.
Zwecks Erörterung der Kirchenbau Angelegenheiten trafen sich der Oberregierungsrat Rolshoven von der Bezirksregierung, der Geheime Baurat Launer so wie Regierungsassessor Mahrenholz am 8.Juli 1899 in Remagen. Die Ausschreibung für die Vergabe der Rohbauarbeiten wurden Anfang 1900 in der Rhein-Ahr-Zeitung veröffentlicht. Die Submission erfolgte zum 18.Juni 1900, und wenige Wochen spatter wurde schon mit den Gründungsarbeiten begonnen. Die feierliche Grundsteinlegung fand am 16.September 1900 statt.
Zwei innen aufragende, runde Tragpfeiler fächern sich in 5 Metern Höhe palmenartig auf, um den jeweils 12 Gewölberippen der Kreuzgewölbedecken beider Kirchenschiffe mittig statische Aufnahme zu geben. Die zu den Außenwänden hinlaufenden Gewölberippen warden auf Konsolen abgefangen, wobei die außenliegenden, vorspringenden Strebpfeiler neben der statischen Stabilisierung der Außenwände in Folge der großen Fensteröffnungen zum Abfangen des Gewölbeschubes dienen. Die Gewölbedecken des Kirchenschiffes sind zu dem nach Süden grenzenden Chorraum leicht erhöht. Der Spitzgiebel der Eingangsseite wird durch eine gehauene Kreuzblume aus Naturstein al soberer Abschluss gekrönt.
Der quadratische Turmkörper, der mit einem schlank aufsteigenden, achtseitigen, Schiefer gedecktem Spitzhelm gekrönt ist, wurde südöstlich neben dem Chorraum integriert und befindet sich außerhalb des baulichen Hauptkörpers. Um 1979 wurde eine dringende Aussenrenovierung notwending, und der Kirchenturm erhielt erstmalsseit seiner Erstellung eine neue Dachhaut aus Naturschiefer.Den Turmabschluss bildet in annähernd 43 Metern Höhe ein Kreuz mit einem vergoldeten Wetterhahn. Der untere Turmkranz ist nochmals mit vier betürmten Gaupen geziert, worin sich jeweils das rechteckige Ziffernblatt der Kirchturmuhr befindet.
Die Uhr gibt viertelstündlich die Zeit durch Glockenschlag an. Der Einbau einer Kirchenuhr wurde 1911 auf Initiative des damaligen Bürgervereins Kripp veranlasst. Die damals angelaufenen Kosten der Holzarbeiten für die Montage beliefen sich auf 54 Mark und wurden von der Pfarrei getragen. Bis dato befanden sich an Stelle der heutigen Zifferblätter in den Gaupen zweiflügelige Schlagläden. Die Zeiger der Kirchenuhr wurden 1911 durch ein mechanisches Uhrwerk der Firma Wenle aus Bakenheim gedreht und mussten bis zum Einbau eines vollautomatischen, elektrischen Uhrwerks im Jahr 1975 einmal wöchentlich von Hand aufgezogen warden. Fast unmerklich für viele Kripper Bürger begleitet der viertelstündliche Glockenschlag der Kirche seit 1911 den Zeitablauf des Alltages.

Die Ausführung und Architektonik
der neu errichteten Kripper Pfarrkirche trägt unverwechselbar die
Handschrift des bekannnten rheinischen Baumeisters Clemens Caspar Pickel
(geb.8.4.1877 Kottenheim/Eifel, gest. 7.11.1939 Düsseldorf), der mit
der Erstellung der Kirche beauftragt wurde. Pickel hat ein an Zahl und
Ideen reiches Werk hinterlassen. Der in Düsseldorf selbstständige
Architekt und Baumeister hat insbesondere architektonisch hervorragende,
sakrale Schöpfungen hinterlassen. Zahlreiche Anerkennungen und
Auszeichnungen wurden ihm für die zwischen 1876 und 1918 entstandenen,
architektonischen Schöpfungen zu Teil.
Der hoch dekorierte
Baumeister, ehemaliger Stipendiat der königlich-preussischen Lehranstalt
zu Berlin, der mit seinem Schaffen weit über die Grenzen hinaus bekannt
war, hat es verstanden, sich auch in Kripp der ortstypischen Bauweise
anzupassen. Beim sorgsamen Umgang mit dem steineren Material wählte
Pickel für den Baukörper sowie den Glockenturm den dorftypischen
Ziegelstein, der in einer Feldbrandziegelei vor Ort im unweit gelegenen Badenacker aus Kripper Lehm handgefertigt und gebrannt wurde.Aus diesen Kripper Ziegeln entstand die Kripper Pfarrkirche als eine zweischiffige Kirchenhalle in den Formen der späten Gotik. Der neugotische Teilbau in den Formen der späten Gotik. Der neugotische Teilbau erstreckt sich innen über 27,5 Meter Länge und 15.5 Meter Breite, wobei alleine der zweischiffige Raum 16,5 mal 13,5 Meter aufweist.
Im Innenraum der Pfarrkirche St.Nepomuk dominiert trotz einer 1992 erfolgten grundlegenden Renovierung, die wegen eines Brandes erforderlich war, die ursprüngliche Bauweise. Betreten kann der Besucher die Kirche durch die beiden Haupteingänge an der Westfassade. Die Sakristei betritt man durch einen Nebeneingang seitlich des Chorraums.
Der Innenanstrich ist schlicht in Altweiß gehalten. Die Gesimse, Pfeiler und Gewölbeträger sowie alle vorspringenden Bauteile sind in rötlichem Sandsteinton abgesetzt. Der Boden ist mit Original-Relieffliesen in roter Keramik verlegt, kombiniert mit anderen, schwarz-weißen Fliesenfelder. 

Beim Betreten der Kirche fällt der Blick zwangsläufig auf den Altarraum, an dessen Rückwand sich ein herrlicher, mehrstufig geschnitzter, alter Altar befindet. Dieser Altar soll nach einem Entwurf von C.C.Pickel von dem umgangssprachlich “Kleinschmittchen” genannten Kripper Bildhauer hergestellt worden sein. Recht dominant wirkt der neue Steinaltar, der auf Grund der neuen Verordnung im vorderen Teil der Apsis integriert wurde, damit der Priester bei der Zelebration der Heiligen Messe zum Volke schaut.
Um für die Kripper Gläubigen den Weihnachtsgottesdienst zu zelebrieren, sollte der Linzer Pastor Joseph Lenzen an einem Weihnachtsmorgen nach Kripp kommen. In Folge des starken Treibeises, weigerte sich der Fährmann, den Pastor auf das Kripper Ufer überzusetzen. Auf dringlichstes Bitten, dass er aber unter allen Umständen nach Kripp müsse, band der Fährmann den Nachen los, und beide versuchten trotz des starken Eisgangs das andere Ufer zu erreichen. In der Strommitte wurden sie durch zwei mächtige Treibeisschollen derart eingeklemmt, dass sie nur mit Hilfe einer Eisenstange unter schwierigen Umständen aus ihrer lebensgefährlichen Notlage befreit werden konnten. Erst halbwegs in Remagen erreichten sie das andere Rheinufer. Während dieser Notsituation und den bangen Minuten in der Strommitte gab der Pfarrer in einem Gebet das Versprechen, sich persönlich dafür einzusetzen, dass die Kripper endlich bald einen eigenen Pfarrer und ihr Kirche bekämen.
Der Pfarrer hielt sein Versprechen und richtete mit seiner verfügbaren Barschaft einen Kirchenfond ein, der als Grundstein für die neue Kirche und die Anstellung des Kripper Pfarrers diente. Aus tiefster Dankbarkeit gedachten die Kripper Gläubigen dem Wohltäter dann mit der genannten Wandplatte.
Der Innenraum der Kirche lädt den Besucher durch seine warme, ruhige Atmosphäre zum Verweilen und zur Andacht ein. Ein alter Kreuzweg ziert im Kircheninnern die Seitenwände. Außer dem prachtvoll geschnitzten Hauptaltar im Chorraum befinden sich im vorderen Seitenschiff auf der linken Seite ein Mutter Gottes Altar, und auf der rechten Seite der Josephsaltar. Die über den Seitenaltären befindlichen großen Oelgemälde der Hl. Familie finden in kunstvollen gotischen Stil geschnitzte Holzrahmen Aufnahme, deren oberer Abschluss mit je acht fein gegliederten, durchbrochenen und türmchenartigen Fialen stufenartig gekrönt sind. Früher durfte nur ein einzelner Pastor seine Hl.Messe an einem dieser beiden Altäre lesen. durch die Konzellebration nach dem letzten Vatikanischen Konzil dürfen nun mehrere Pastore am Hauptaltar die Hl.Messe gemeinsam feiern.
Am Josefsaltar befindet sich auf goldenem Mosaikgrund nit rot-blauen Buchstaben der Spruch: O du heiliger Josef Du Schutzpatron der Sterbenden, bitte für uns. Auf dem Oelgemälde des Marienaltars befindet sich am unteren Bildrand folgender Schriftzug: Aus Dankbarkeit gegen die Gottesmutter der Kirche zu Kripp gewidmet.
Vermutlich stammt dieses Gemälde aus einer Stiftung. Um 1920 wurden oberhalb beider Seitenaltäre durch eine Stiftung Fresken des Künstlers Ewald Matare mit unterstützung des Kripper Malers Felix Lüttgen angebracht. Das Gemälde rechts stellte die "Auferstehung" und links die "Verkündigung" (mit engel und Gottesmutter)dar. 1948 wurden diese Fresken von Felix Lüttgen bei einer Kirchenrenovierung mit Einverständnis des späteren kunstprofessors Matare übertüncht, da dieser kein Interesse mehr an seinem Gemälde hatte. Zeitzeuge P.Ueberbach erinnerte sich, dass der Grund wohl die Aehnlichkeit des auferstehenden Christus mit Hindenburg war.
Zahlreiches Inventar aus der alten Kapelle fand in der neuen Kirche Platz, darunter die Kanzel von 1760 aus der Schlosskapelle zu Ahrental mit einem Schlangenkopf am auslaufenden Gelände, ein Standbild des Hl. Johannes Nepomuk aus dem Jahr 1725, ein Oelgemälde der Taufe Jesu und eine Reliquienmonstranz mit Relieffuß von 1770.
| Im Jahre 1902 wurden zwei Glocken des ehemaligen Bronzegeläuts aus dem ausgeweihten Johannessaal in die neue Kirche übernommen. Über den Verbleib der dritten Glocke konnte von den Verfassern nichts in Erfahrung gebracht werden. Das jedoch drei Glocken im Turm vorhanden sein mussten, geht aus der Tatsache hervor, dass schon vor dem Ersten Weltkrieg in Kripp "gebeiert" wurde. Beide Bronzeglocken wurden 1917 in Folge der Metall-Mobilmachung zur Einschmelzung für Kriegsgüter aus dem Turm geholt. Für die gläubigen Kripper war das beinahe Ein Weltuntergang, da das religiöse Leben der Kripper Landbevölkerung allumfassend war und das Glocken läuten für sie das hörbare Zeichen zum Gebetsaufruf so wie des Arbeitsbeginns und Arbeitsendes darstellte. Die Glocken verkündeten Freud und Leid oder warnten die Menschen bei Brand, Unwetter und Gefahren. Sie waren ein bis dahin aus der Kripper Dorfgemeinschaft nicht wegzudenkender Orientierungspunkt. | ![]() |
Hierzu notierte der Kripper G.Valentin in seinem Tagebuch traurig und resignierend:
"1917 ist die mit 28 Mann zu läutende Kaiserglocke aus dem Kölner Dom in Stücke geschnitten und heruntergeholt worden. Ein Kunstwerk von 504 Zentnern. Wer weiß, ob in 1000 Jahren nochmals so eine Glocke hergestellt wird. Nun hatten die Fanatiker doch Ruhe! Unser Herr Pastor hatte nichts Eiligeres zu tun, als ebenfalls die Glocken herunterholen zu lassen (weil nach Verordnung) und teilweise, weil es kein harmonisches Geläut gewesen sein soll. Die anderen Geistlichen Herren aus der Umgebung hatten es nicht so eilig. Sie haben ihre Glocken noch alle. Was ist das für ein herrlicher Genuss, wenn man die Glocken läuten hört! Bloß wir sind die Dummen und hören nichts.. Zu keiner Messe, zu keinem Hochamt, zu keinem Begräbnis, rundum zu nichts. Nur ein paar dumpfe Schläge auf ein Stück Blech (Kirchenuhr) dröhnen vom Turm der Kathedrale. Ist das nicht traurig, so lange ohne kirchliches Zeichen zu sein? Wer trägt nun die Schuld?"
Für den Neuerwerb der Glocken benötigte man erhebliche Geldsummen. Ein Glockenfond wurde eingerichtet, wobei 800 Mark direkt in Folge von Zinszuschreibungen aus den 1921 veräußerten, kirchlichen Kriegsanleihen einflossen. Der Rest von 300 Mark wurde dem Orgelfond und 1000 Mark dem Reparaturfond gutgeschrieben. Um den Differenzbetrag zu erreichen, veranstaltete man einen von der Pfarrei organisierten Glocken-Bazar. Namhafte Kripper Geschäftsleute, wie die Wäscherei Schmitz, Graf Tarveggi und andere, spendeten ansehnliche Gegenstände von erheblichem Wert, wie Uhren, Möbelstücke, Steppdecken und ähnliches, die dann der Kripper Bevölkerung in der Art einer amerikanischen Versteigerung angeboten wurde. Mit dem Reinerlös des Bazars in Höhe von 140.000 Mark, zu dem Bürger aller Konfessionen beigetragen hatten, konnte der Glockenfond ausgeglichen werden. 50.000 Mark blieben als Grundstock für eine neue Orgel übrig und wurden angelegt, wie Zeitzeuge M.Schumacher berichtet.
Im Jahre 1922 fanden drei neue Stahlglocken im Klangton E,Fis und Gis, dank der großen Opferbereitschaft Kripper Gläubiger, feierliche Aufnahme in der hoch gelegenen Glockenstube des Kirchturms. Das Klangvolumen ruft auch heute noch durch die vorhandenen Schallluken die Gläubigen zum Gebet, in alle Himmelsrichtungen, in Freud und Leid, als die harmonisch klingenden Stimmen Kripps. Für die Erbauung des neuen Glockenstuhls wurden aus dem Remagener Stadtwald vier Eichenbalken von 20 mal 22 cm, davon zwei Balken von 4.25 Metern und von 3,65 Metern Länge, sowie fünf balken von 18 mal 20cm, davon drei Balken von 4,25 Metern und drei Balken von 3.65 Metern Länge angefordert. Erst vor kurzem wurde die Balkenkonstruktion aus statischen Gründen durch ein Stahlgerüst ersetzt.
So erklang wiederum ein dreistimmiges Glockengeläute vom Kripper Turm, das die Möglichkeit des Beierns wieder bot. Das Beiern war ein traditionelles Festgeläut als Taktläuten nach genau festgelegtem melodischen Rhythmus durch Anschlagen der Klöppel von Hand an die nachschwingenden Glocken, das in früheren Jahren Zeiten zur Einstimmung an Fest- und Feiertagen üblich war. Hierbei sind die Klöppel aller Glocken mit Seilen angebunden und befinden sich konstant einige Zentimeter vom Glockenrand. Durch den "Beiermann", der die Seile an Armen und Beinen im melodischen Rythmus anstrafft, wird der Klöppel angeschlagen. Dieses Festgeläut erklingt von jedem Kirchturm anders, je nach Zahl und Ton der dort befindlichen Glocken.
Ab 1922 konnten in Kripp durch den Einbau von Stahlglocken die Glocken wieder hell und freudig klingen.Alljährlich wurde das Beiern an kirchlichen und weltlichen Feiertagen am Spätnachmittag des Vortages bis zum Zweiten Weltkrieg hin durchgeführt. Anton Schumacher (1860-1936) fungierte lange in Kripp als Beiermann und bildete später den Nachwuchs in diesem speziellen musikalischen Fach aus.
Von lokalem Humor zeugt der Glockenvers, der durch das Beiern eine Festtagsstimmung einläutete, die seit dem Kriegsende 1945 für die Kripper Ohren nicht mehr vernehmbar war: "Faul Fisch und Finte, ruch ens wat se stinke" oder Spinategemöös und Limmesjefleisch, dat es de Remagener ihr Kirmesspeis, dat denk eis, dat denk eis"
Diese alte Tradition, die seit 1945 nicht mehr gepflegt wird, soll nach den Bestrebungen des Bürger- und Heimatvereins Kripp wieder aufleben.
Die kleinste Glocke, die so genannte Angelsglocke, als oberste im Glockenstuhl angebracht, schlägt jede Viertelstunde.Sie ist mit der Inschrift "Maria mit dem Kinde lieb uns alle deinen Segen gib - 1922" im äußeren Glockenrand versehen. Die mittlere Glocke hängt mit der großen Glocke auf einer ebene nebeneinander. Ihre Inschrift lautet: "Heilig, heilig Herr Gott Sabath - 1922" und auf der großen Glocke steht "Barmherzigkeit Friede und Liebe werden euch allen in Fülle - Judas Thadäus"
Die große Glocke gibt den Stundenschlag der Kirchenuhr an.
