Kripper Wasserturm ©
© Bericht von Willy Weis und Hildegard Funk
Für den Neuerwerb der Glocken benötigte man erhebliche Geldsummen. Ein Glockenfond wurde eingerichtet, wobei 800 Mark direkt in Folge von Zinszuschreibungen aus den 1921 veräußerten, kirchlichen Kriegsanleihen einflossen. Der Rest von 300 Mark wurde dem Orgelfond und 1000 Mark dem Reparaturfond gutgeschrieben. Um den Differenzbetrag zu erreichen, veranstaltete man einen von der Pfarrei organisierten Glocken-Bazar. Namhafte Kripper Geschäftsleute, wie die Wäscherei Schmitz, Graf Tarveggi und andere, spendeten ansehnliche Gegenstände von erheblichem Wert, wie Uhren, Möbelstücke, Steppdecken und ähnliches, die dann der Kripper Bevölkerung in der Art einer amerikanischen Versteigerung angeboten wurde. Mit dem Reinerlös des Bazars in Höhe von 140.000 Mark, zu dem Bürger aller Konfessionen beigetragen hatten, konnte der Glockenfond ausgeglichen werden. 50.000 Mark blieben als Grundstock für eine neue Orgel übrig und wurden angelegt, wie Zeitzeuge M.Schumacher berichtet.
Im Jahre 1922 fanden drei neue Stahlglocken im Klangton E,Fis und Gis, dank der großen Opferbereitschaft Kripper Gläubiger, feierliche Aufnahme in der hoch gelegenen Glockenstube des Kirchturms. Das Klangvolumen ruft auch heute noch durch die vorhandenen Schallluken die Gläubigen zum Gebet, in alle Himmelsrichtungen, in Freud und Leid, als die harmonisch klingenden Stimmen Kripps. Für die Erbauung des neuen Glockenstuhls wurden aus dem Remagener Stadtwald vier Eichenbalken von 20 mal 22 cm, davon zwei Balken von 4.25 Metern und von 3,65 Metern Länge, sowie fünf balken von 18 mal 20cm, davon drei Balken von 4,25 Metern und drei Balken von 3.65 Metern Länge angefordert. Erst vor kurzem wurde die Balkenkonstruktion aus statischen Gründen durch ein Stahlgerüst ersetzt.
So erklang wiederum ein dreistimmiges Glockengeläute vom Kripper Turm, das die Möglichkeit des Beierns wieder bot. Das Beiern war ein traditionelles Festgeläut als Taktläuten nach genau festgelegtem melodischen Rhythmus durch Anschlagen der Klöppel von Hand an die nachschwingenden Glocken, das in früheren Jahren Zeiten zur Einstimmung an Fest- und Feiertagen üblich war. Hierbei sind die Klöppel aller Glocken mit Seilen angebunden und befinden sich konstant einige Zentimeter vom Glockenrand. Durch den "Beiermann", der die Seile an Armen und Beinen im melodischen Rythmus anstrafft, wird der Klöppel angeschlagen. Dieses Festgeläut erklingt von jedem Kirchturm anders, je nach Zahl und Ton der dort befindlichen Glocken.
Ab 1922 konnten in Kripp durch den Einbau von Stahlglocken die Glocken wieder hell und freudig klingen.Alljährlich wurde das Beiern an kirchlichen und weltlichen Feiertagen am Spätnachmittag des Vortages bis zum Zweiten Weltkrieg hin durchgeführt. Anton Schumacher (1860-1936) fungierte lange in Kripp als Beiermann und bildete später den Nachwuchs in diesem speziellen musikalischen Fach aus.
Von lokalem Humor zeugt der Glockenvers, der durch das Beiern eine Festtagsstimmung einläutete, die seit dem Kriegsende 1945 für die Kripper Ohren nicht mehr vernehmbar war: "Faul Fisch und Finte, ruch ens wat se stinke" oder Spinategemöös und Limmesjefleisch, dat es de Remagener ihr Kirmesspeis, dat denk eis, dat denk eis"
Diese alte Tradition, die seit 1945 nicht mehr gepflegt wird, soll nach den Bestrebungen des Bürger- und Heimatvereins Kripp wieder aufleben.
Die kleinste Glocke, die so genannte Angelsglocke, als oberste im Glockenstuhl angebracht, schlägt jede Viertelstunde.Sie ist mit der Inschrift "Maria mit dem Kinde lieb uns alle deinen Segen gib - 1922" im äußeren Glockenrand versehen. Die mittlere Glocke hängt mit der großen Glocke auf einer ebene nebeneinander. Ihre Inschrift lautet: "Heilig, heilig Herr Gott Sabath - 1922" und auf der großen Glocke steht "Barmherzigkeit Friede und Liebe werden euch allen in Fülle - Judas Thadäus"
Die große Glocke gibt den Stundenschlag der Kirchenuhr an.
![]() | Der Wasserturm half 70 Jahre lang mittels eines dauerhart geregelten Wasserdrucks, das Wasser über die Verteilungsanlage in die Kripper Stuben zu transportieren. Unser guteralter Wasserturm, von den französischen Touristen liebevoll „chateau d'eau" (Wasserschloß) genannt, wurde 1994 neunzig Jahre alt. Von den Krippern zum Wahrzeichen ernannt, prägt er mit seinen annähernd 35 Metern, in unmittelbarer Nähe des Kirchturms stehend, die Dortsilhouette. Unser Dorfjuwel, dessen Glanz allmählich verblaßt und einer dringenden Renovierung bedürfte, hatte Mitte der 70er Jahre durch den Einsatz moderner Methoden seine eigentliche Funktion verloren. Infolge erhöhten Wasserverbrauchs konnte er den Bedarf nicht mehr dekken und wurde durch die neue Pumpstation „Im Sand" abgelöst. Von diesem Zeitpunkt an diente er der Freiwilligen Feuerwehr Kripp als Gerätehaus und dem Energieträger RWE als Trafostation. Der Abriß wurde erwogen, als die Feuerwehr ein eigenes modernes Gerätehaus baute und das RWE in die neue Trafostation umzog. Die Kripper Bürger, die gegen das Abrißvorhaben Sturm liefen, konnten sich jedoch durchsetzen. |
Zwei Weltkriege hat er unbeschadet überstanden. Nunmehr nagt der Zahn der Zeit an ihm. Bisher wurden keine sichtbaren baulichen Aktivitäten zur Erhaltung bzw. Gestaltung des äusseren Erscheinungsbildes vorgenommen. Der Turm befindet sich in einem verwahrlosten Zustand, einzelne Putzteile bröckeln ab und die Eingangstür verfault. Löcher in der Dachver-schlagung sind mit bloßem Auge erkennbar, nistende Vögel fliegen ein und aus. Wollen wir unserWahrzeichen erhalten, sind bauliche Maßnahmen dringend erforderlich.
Trotzdem, wenn auch lädiert und funktionslos, gibt der Wasserturm heute noch Zeugnis technischen Wirkens.
Da er im Bewußtsein der Kripper Bürger immer eine große Rolle gespielt hat, besitzt er für uns einen hohen Identifikationswert. Er ist in seiner Art der einzige Wasserturm der Umgebung. Es dürfte für uns eine vordringliche Aufgabe sein, ihn wenigstens in seinem äußeren Erscheinungsbild zu erhalten.
Eine Unterschutzstellung des Bauwerks durch die Denkmalbehörde wäre wünschenswert. Die ursprüngliche Form des Turmes ist bis auf die Dachspitze erhalten. Mit einigen guten Ideen und baulichen Maßnahmen könnte auch dieser schwierige Baukörper innen optimal und attraktiv nutzbar hergerichtet werden. Wollen wir hoffen, daß alle Mißverständnisse und Hemmnisse mit einer guten Portion Willen und Mut beseitigt werden und in Kripp die bisherige 90jährige Dorfsilhouette auch weiterhin erhalten bleibt.
Hier das Schreiben von Minister Brüderle aus dem Jahre 1996.

