Batterieweg in Kripp  ©

© Bericht von Willy Weis und Hildegard Funk

Ein Straßenname mit geschichtlicher Bedeutung

Der Ursprung des Kripper Batterieweges ist nachvollziehbar bis anno 1796. Eine Auswertung der preußischen Kartenaufnahme von 1843 - 1878 gibt Aufschlüsse über die damalige militärische Gegebenheit in Kripp. Wie die Zeitgeschichte dokumentiert, befand sich zur Zeit der französischen Okkupation zwischen Remagen und Kripp eine schwere französische Geschützstation ohne jegliche Wegverbindung untereinander. Diese wurde 1796 auf der Kripper Hochterasse zwischen dem damaligen Zaunweg (heute Mittelstraße) und dem Sandweg, unmittelbar vor der natürlichen Abbruchkante zur Niederterasse hin, auf freier Feldflur installiert. Das gesamte Terrain zwischen dem Sandweg und der heutigen Mittel- und Quellenstrasse war zur damaligen Zeit ohne jegliche Wegverbindung untereinander.

                                  

Die Gründe für die Bestückung dieses Festungswerkes mögen vielerlei sein. Angefangen als Drohgebärde starker französischer Präsenz und militärischer Überlegenheit gegenüber dem gegenüberliegenden rechtsrheinischen Rheinufers befindlichen Franzosenfeind oder auch zur Räsonierung und bedrohlichen Vernichtung der Rheinschifffahrt, die nach der Okkupation bis auf militärische Transporte völlig zum Erliegen kam. Nach einer späteren Lockerung des Fahrverbots wurde auf Befehl des in Köln stationierten Hauptquartiers der französischen Sambre- Maasarmee, das den Rhein bis Bacharach besetzt hielt, nur denjenigen die Schifffahrt auf der Kripper Rheinseite gestattet, die Waren für die Belagerer mit besonderer Genehmigung, dem sogenannten Ausweis "Comissaire de Guerre", beförderten., oder den nach der Intervention der aufgebrachten Rheinschiffer auf der linken Rheinseite von Holland bis Koblenz fahrenden Schiffen, die gemäß einejm General Hoche's Armeebefehl eine Kaution im Werte der Schiffsladungen an den "Commissaire Generale de l'Armee" als Entschädigung an die Republik aufbrachten, falls ein Schiff auf der rechten Rheinseite in Feindeshand fallen sollte.

                                                        

Die Ursprünge des heutigen Batterieweges gehen zurück bis in jene Zeit, als französische Artilleristen zur Bedienung dieser aufgestellen Geschützbatterie über einen 720 Meter langen, ausgetretenen Fußweg zu ihrem Gefechtsstand gelangten. Dieser kleine Weg begann in der heutigen Mittelstraße annähernd 73 Meter von der Einmündung Quellenstraße entfernt zwischen den heutigen Häusern Nr.14 (Haus Dunski) und 16 in Richtung Rhein und bog nach annähernd 100 Metern in Höhe des Hauses Laux (Einmündung Johannesweg) rechtwinklig nach links ab, um 350 Meter an der dortigen Böschung zur Niederterasse entlang fast geradlinig parallel mit der Mittelstraße verlaufend, in Höhe der heutigen Villa VTO-Irmen, auf die ersten von 90 Meter langen Bodenerhebungen in Form kleinerer Erdwälle zu stoßen, in denen sich das den eigentlichen in Form kleinerer Erdwälle zu stoßen, in denen sich das den eigentlichen Geschützen vorgelagerte Batteriemagazin, ein für den unmittelbaren Bedarf an Pulvermunition für etwa 24 Stunden sichernder, gegen waagerechtes und senkrechtes Feuer gedeckt angelegter Bau, auch Verbrauchspulvermagazin oder Pulverkammer genannt, befunden haben muss. Dahinter befand sich auf einer Länge von 180 Metern eine feste Geschützstellung, eine sogenannte Batterie.
Eine Batterie (frz) ist eine nach Brockhaus zufolge dauernde oder auch nur vorübergehende Zusammenstellung mehrerer Geschütze zu einem bestimmten einheitlichen Gefechtszweck. Deckt man die Geschütze einer Batterie durch einen kunstmäßig in Erde, Stein oder Eisen aufgeführten Bau, so nennt man diesen, für sich sowohl als mit den Geschützen besetzt gedacht, ebenfalls Batterie, während eine nur flüchtig in Erde ausgeführte Geschützaufstellung, wie sie namentlich im Feldkrieg vorkommt, als Geschützemplacement oder Geschützeinheit bezeichnet wird. (Brockhaus 1910,S.473).
Eine solche Geschützbatterie wurde aus vier bis acht einzelnen Feldgeschützen zusammen erstmals unter Napoleon I. erfolgreich zu einer vereinigt.
Die bodenrechtlichen Erhebungen zur Bildung dieses artilleristischen Festungswerkes begannen auf den mit ungeraden Hausnummern versehenen Hausgrundstücken des heutigen Batterieweges ab der Villa Hettlage (heutiges Verwaltungsgebäude der Firma Vto-Irmen) bis hin zum Hausgrundstück Seifert, Batterieweg 105. Hier endete der damalige Batterieweg unmittelbar nach der 180 Meter langen Geschützbatterie. Unbekannt blieb bisher, ob dieses von den Franzosen künstlich angelegte militärische Kripper Festungswerk nach der Niederlage Napoleons bei der Völkerschlacht bei Leipzig von den zurückziehenden Truppen durch Sprengung oder Demobilisierung außer Gefecht gesetzt wurde, Bekannt ist nur die Schleifung der restlichen Erdwälle unter preußischer Herrschaft bis 1825. Diesem militärischen Umstand wurde auch bei der Kripper Flurbezeichnung Rechnung getragen.

Hierzu vermerkt der Stadtarchivar W.J.Langen in seinem Buch "Flurnamen von Remagen" (Remagen 1925, Flur 34-Acker, S31-32):
"Auf der Batterie, an der Battry 1809, liegt auf der Höhe oberhalb der Steinreusch, wo die Fluren 34 und 35 aneinandergrenzen, östlich vom Zaunwege. Die Bezeichnung stammt aus der Zeit der französischen Okkupation, und es wurde dort im Jahre 1896 eine Batterie errichtet. Der Tradition gemäß haben sich die Erdwälle bis circa 1825 erhalten."

Während und nach der Gründerzeit mauserte sich der vorhandene Batterieweg rasch zur bvorzugten Wohnlage. Wohlhabende Bürger und Adelige wie unter anderem Hettlage, Baron von Negri, Graf Tarveggi etc. errichteten dort ihre prunkvollen Villen als Ausdruck des damaligen Bürgerstolzes und Reichtums. Zur besseren Verbindung zu diesem neuen Baugebiet wurde vom Sandweg aus die Kapellenstraße als Vorläufer des heutigen Johannesweges planiert und die gegenüberliegende alte 100 Meter lange Zuwegung zur Mittelstraße hin gekappt. Die umgangssprachliche Bezeichnung "Batterieweg" des ehemaligen nur 720 Meter langen unbefestigten militärischen Dienstweges wurde neben der Flurbezeichnung "An der Batterie" in den Köpfen der Kripper weiter beibehalten und selbst nach dem ersten Ausbau um 1968 sowie dem 15 Jahre späteren Ausbau der nördlichen Straßenverlängerung in heutiger Gestaltung als Straßenname weitergeführt.
Die bisherige tradierte Vorstellung in den Köpfen der Kripper Nachkommen, dass von dem Batterieweg aus die Kripper Treidelhafen mit Kanonen Dampfschiffe beschossen und die Straße nach diesem geschichtlichen Umstand benannt wurde, kann nach derzeitigem Sachstand nicht nachvollzogen werden. Dies ergibt sich auch klar aus den Tatsachen, dass sich eine Geschützbatterie dort ausschließlich nur während der Franzosenzeit befand und es zu dieser Zeit noch keine Dampfschiffe gab.

Des Weiteren wurden die dortigen Wälle um 1825, also fast 30 Jahre vor dem in Kripp 1848 stattgefundenen Halfenaufstand, bereits geschleift, und trotz ergiebiger Quellenlage zum Halfenaufstand ist in Kripp kein einziger Kanonenbeschuss auf Schiffe dokumentiert. Hierzu verweisen wir ausweislich auf unseren Bericht "Aufstand der Rheinhalfen in Kripp 1848" im Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2001, S.135ff.

Der Grund dieser Fehlerquellen dürfte wohl in den einleitenden Kurzchroniken verschiedener Festzeitschriften einiger Ortsvereine zu suchen sein, in denen fälschlicher Weise der Batterieweg stets in Verbindung mit dem Halfenaufstand von 1848 über Generationen hinweg transkribiert wurde. Die Bezeichnung "Batterieweg" dürfte folglich nach derzeitiger Quellenlage ausschließlich nur auf das ehemalige artilleristische Festungswerk in Kripp während der Franzosenzeit zurückzuführen sein.