Kripper Anekdoten

von Willy Weis und Hildegard Funk

Anekdoten , Histörchen, Kripper Verzällche, wahre Begebenheiten und allgemein Wissenswertes.

© weis/funk 1997


"Verzällche" sind eine Wiedergabe von hier Erlebtem. Je nach Alter wurden diese Begebenheiten von den Vorfahren an die Kinder und von diesen an die Kindeskinder mündlich weitergegeben. Sie zeigen uns u.a. auch ein Stimmungsbild, um die vorletzte Jahrhundertwende oder um andere Zeitepochen. Im wesentlichen geht es darum, Erlebtes und Anekdoten über den damaligen herrschenden Zeitgeist im Kripper Alltag festzuhalten und wiederzugeben. Diese Verzällche sind ein Garant für eine Art, wie damals hier das alltägliche Leben gemeistert wurde.


Das Besondere an diesen Erzählungen ist, dass sie mit jedem weiteren Berichten, größeren Raum und phantastischere Formen annahmen.

Inwieweit der Inhalt der Wirklichkeit entspricht, vermochten nur die nicht mehr unter uns Weilenden zu ermessen. Es wurden uns viele erzählt und wir haben nur diese wenigen herausgesucht, da sie mit größter Wahrscheinlichkeit Anspruch auf Wahrhaftigkeit erheben. Außer den mündlichen Aussagen gibt es für die Dorfinterna die handschriftlichen Aufzeichnungen der Kripper Familie Gottfried und Theresia Valentin von 1876- 1920, die alle für die Landbürger damaligen wichtigen Ereignisse in Sütterlinschrift festgehalten und von den Verfassern 1993 in unser heutiges lateinisches Schriftbild umgeschrieben wurden. Sie bestechen durch ihre gute Beobachtungsgabe.


Sinn und Ziel dieser vorliegenden "Verzällche" und Begebenheiten ist, die uns überlieferten Geschichten späteren Generationen zu erhalten und so dem Leser ein Schmunzeln zu entlocken.


Teilweise flossen die Ergebnisse der Kripper „Jeuschelbrööder“ mit ihren spitzbübischen Unterhaltungen, sowie die mündlichen Überlieferungen der Vorfahren älterer Kripper Generationen, mit ein.


Einige "Verzällche" sind es wert, um sie hier als wahre Begebenheiten zum Besten zu geben. Die nachfolgende Dorfinterna bringt uns die damaligen urwüchsigen Kripper Originale näher.


Die geschilderten Erlebnisse und Erfahrungen dürften charakteristich für für ganze Kripper Generationen spiegelbildlich sein.



Die Anekdote ist die höchste Wahrheit,

auch wenn sie keine Spur von Wirklichkeit hat“

(Goethe) 


"De Walzer links erömm!" (Den Walzer links herum) © weis/funk 1995

.... und da war noch die fast tägliche Dienstverfehlung des Posthalters Schäfer aus tänzerischer Leidenschaft, ohne jedoch seinen wohlbekannten Service am Postkunden zu vernachlässigen. Schon auf dem Schiffswege von Remagen nach Kripp sortierte er seine auszutragende Post blitzschnell vor, um die später bei der rothaarigen Frederike verlorene Zeit wieder wett zu machen. In Kripp an Land gekommen, führte der erste Weg fast immer in das Rheingold- Hotel, das sich damals im Besitztum der Familie Albert und Frederike Dörries befand. Die tanzwütige Hoteliersfrau hatte bereits beim Erscheinen ihres leidenschaftlichen Tanzpartners ihr Hausorchester, ein Grammophon, angekurbelt, um so schnell wie eben möglich bei Walzermusik die recht kurzfristige Zeit der selbst angeordneten Dienstbefreiung in seinen Armen beim "Walzer links herum", zu genießen. Um die Tanzzeit so zivil wie möglichst zu gestalten, wurde sich der Dienstmütze und der Posttasche flugs entledigt. Nach der so genannten tänzerischen Trainingseinlage, die wohl nach jetzigen medizinischen Erkenntnissen sehr zur berufsbedingt erforderlichen Geschmeidigkeit und Beweglichkeit seiner Beine beigetragen hatte, begann für ihn wieder zum Ausgleich der berühmte Dienst am Kunden.

Trotz seines internen Dienstvergehens genoss Kripp während seiner Zeit den größten postalischen Service, indem er zweimal täglich die Post zustellte und sogar Sonntags die Post vor dem Hochamt an der Kirche an die Empfänger verteilte. 1)

Diese sich fast täglich wiederholende lustige Unterbrechung der Arbeit des Posthalters Schäfers war allen Krippern wohlbekannt und ist noch heute eine gern erzählte Episode aus alter Zeit.

Das Grammophon wurde später durch ein elektrisches Klavier ersetzt.

1) mündliche Überlieferung Friedel Valentin, Kripp 1993


Verletzte Beamtenseelen. © weis/funk 1997

Wegen eines Vorhabens der "Obrigkeit", das nicht im Einklang mit dem Betroffenen stand, wurde der Kripper Bürger Josef Marx, allseits bekannt als schlitzohriges Kripper Urgewächs, beim Bürgermeisteramt der Stadt Remagen vorstellig, um seinem Unmut freien Lauf zu geben. Im Verlauf des Gespräches, das trotz mehrmaligen Vortrages des " Aufmüpfigen" (Erschienenen) bei den Beamten auf taube Ohren stieß, appellierte der "Untertan" mehrmals an die "Begriffsstutzigkeit" der Behördenmitarbeiter, deren Gesichtszüge jedoch unmissverständliche Missbilligung ausdrückten. Er verspürte ein dringendes Bedürfnis, den langweiligen Behördenapparat mit einer Schimpfkanonade in Schwung zu bringen. Schlitzohrig wie er ist, hatte er sich vorher die Worte seines Zornes wohlweislich sorgfältig ausgewählt, da er mit keinem glimpflichen Ausgang rechnete.

Ohne den Impuls des Widerspruches zu unterdrücken, bemächtigte er sich mehrmals bissig folgenden Wortlautes: "De Hällefte he om Amb sen suwisu Ooase on Schoofsköpp" (Die Hälfte hier auf dem Amt sind sowieso Ochsen und Schafsköpfe)

Da sich wohl einige angesprochen fühlten, begann der Amtsschimmel zu wiehern und eine schriftliche Stellungnahme mit dem Vorschlag der öffentlichen Entschuldigung wurde ihm zugestellt. Die Behörde bestand auf den Widerruf der Beleidigung und einer öffenlichen Entschuldigung mittels "Ausschellen" des Gemeindedieners Johann Betzing, ugs."et kleen Hännesje " genannt. Marx willigte schmunzelnd ein und der Widerruf der Beleidigung wurde an mehreren publikumsträchtigen Stellen im Ort mit folgendem Wortlaut bekanntgegeben: "Ich, Josef Marx, widerrufe hiermit öffentlich, daß die Hälfte auf dem Bürgermeisteramt keine Ochsen und Schafsköpfe sind," wobei der Gemeindediener sich nicht die trockene Bemerkung verkneifen konnte: " Jo, wenn et jo de een Hällefte net es, moß et jo de andre Hällefte seen." (Ja, wenn es die eine Hälfte nicht ist, muß es ja die andere Hälfte sein). (1)

Somit war beiden Parteien in dieser Angelegenheit genüge getan. Die Behörde hatte ihre Entschuldigung und der "provokante Untertan" seine Genugtuung über den gelungenen Schildbürgerstreich. Diese eigentümliche Art und Weise der Opposition gegen die Obrigkeit weist starke Parallelen zu dem in den Zeiten des Kulturkampfes geführten Streit gegen die damalige preußische Obrigkeit, gemischt mit einem Schuss origineller und typischer Kripper Ortsmentalität.

1) mündliche Erzählung Josef Marx, Kripp 1998


Hausschlachtung Anno Dazumal. © weis/funk 1996

Für die heutigen Verhältnisse ist es für viele kaum noch vorstellbar, mit welchem Aufwand und Vorsorge die jährliche häusliche Fleischbevorratung ohne die Hilfe von elektrischen Kühlagregaten von unseren Eltern und Vorfahren betrieben wurde.

Die Haltbarmachung des Schlachtgutes durch Räuchern, Pökeln, sauer oder Sülze einlegen war zwar bekannt, jedoch die Lagerung des Schlachtfleisches bereitete erhebliche Probleme, so dass bei den Krippern im allgemeinen selten zur Sommerzeit Fleisch auf dem Speiseplan stand.

Die Konservierung des Fleischgutes für die Sommerzeit erfolgte erst um 1900 durch Einkochen in Gläsern und Dosen, bis dies um 1950 durch die aufkommende Tiefkühlung erleichtert wurde.

Noch kurz nach dem 2. Weltkrieg war es bei den meisten Familien im ländlichen Kripp durchaus eine Normalität, für den eigenen Fleischbedarf die Schweine selbst heranzufüttern und zu schlachten. Schweinefleisch und Wurstsorten in allen Arten der Zubereitung bildeten in hiesiger Region die Grundlage fast aller Haushalte zur Versorgung der Menschen.

Das Schwein als unkomplizierter Allesfresser und Entsorger biologischer Haushaltsreste stellte dabei hauptsächlich den Fleischvorrat der Kripper über Winter sicher. Da sich eine eigene Aufzucht mit einer Muttersau (Tragezeit 3 Monate, 3 Wochen und 3 Tage) für einen normalen Familienhaushalt nicht lohnte, erwarb fast ein jeder Kripper Haushalt alljährlich auf den Märkten oder bei einem ambulanten Schweinebauer, der im Frühjahr mit einem mit Ferkeln beladenen Pferdewagen über Land fuhr und Jungferkel feilbot, ein bis zwei Ferkelchen zur kommenden Fleischbevorratung.

Johann Wahl mit Ferkel auf dem Arm und Tochter


Der Ankauf eines Jungferkels, die Aufzucht, Mast und die Schlachtung waren bis dahin ein lebenswichtiger Punkt in der Kripper Haushaltsplanung. Kenner legten beim Kauf Wert auf einen langen Körper und einem gekringelten Schwänzchen. Nach dem Kauf fand das oder die neue Schweinchen in einem frisch gekälkten und mit neuem Stroh ausgelegten Schweinestall Aufnahme, der meist im Hofbereich am Haus angebaut war. Obwohl der Stall das Zuhause des Schweines war, hatte es meistens seinen täglichen Auslauf im geschlossenen Hof, wobei die Kinder oft mit ihnen spielten. Den Sommer über wurde das Jungschwein mit Grünfutter und Biohausabfall gefüttert. Dabei vertilgte das Schwein als Allesfresser die in der Küche angefallenen Essensreste , die mit Kartoffelschalen und Futtermehl als Futter aufbereitet wurden. Haushalte, die keine eigenen Schweine hatten, sammelten ihre Küchen- und Essensabfälle und brachten diese wöchentlich zu einem schweinebesitzenden Angehörigen, Freund oder Nachbarn. Als selbstverständliche Gegenleistung lies sich der Schweinebesitzer nicht lumpen und bedachte am Schlachttage die treuen Futterspender mit Wurst und Schlachtbrühe.


Im Kreislauf des Jahres setzten im Herbst, wenn die Natur nicht mehr das frische Pflanzenfutter lieferte mit dem sich die Schweine das Jahr über ernährten, dann die ersten Hausschlachtungen ein. Das Fleisch des Schweines war jetzt besonders schmackhaft, ganz anders als wenn es zur Winterzeit nur mit Trockenfutter gemästet wurde. Um noch auf ein gutes Schlachtgewicht zu kommen, wurde das Borstenvieh kurz vor seiner Schlachtung mit Kartoffeln oder Schrot auf annähernd 2 bis 2,5 Zentnern gemästet. Unter den Nachbarn fanden diesbezüglich richtige Wettbewerbe statt. Je fetter eine Sau, desto besser. Im Herbst wurde erst das größere Schwein geschlachtet, das andere dann im Februar.

Nach erfolgter Mastzeit wurde der Dorfmetzger gerufen und die Schlachterei erfolgte in den frühen Morgenstunden in den jeweiligen Höfen der Häuser, wobei die Sau meistens zwischen Stall und Wohnhaus "gelegt", gebrüht und aufgebrochen wurde. Das Töten der Tiere erfolgte bis annähernd 1940 mit einem gezielten Axt-oder Hammerschlag zwischen Augen und Stirn, danach mit einem Bolzenschußapparat. Nach der Tötung erfolgte das Abstechen in die Halsschlagader zwecks Blutgewinnung, Selbst die Kinder halfen eifrig mit und rührten mit der Hand das aufgefangene warme Blut in einem Topf für die Wurst, damit es nicht gerann.

Danach erfolgte das Brühen und Rasieren der Schweineborsten mit einer Eisenglocke in der Molle und dem Aufbrechen, wobei das Schwein mit Stricken oder einem Krummholz an den freigelegten Fersensehnen der Hinterbeine auf einer neben der Mole liegenden Leiter festgebunden wurde. Dann stemmte man die Leiter schräg samt Schwein an einer Mauer hoch, den Kopf nach unten hängend und schlitzte die Bauchseite mit einem scharfen Messer von oben bis zum Hals auf.

Lunge, Herz und Leber wurden dem noch dampfenden Tierkörper entnommen und mit kaltem Wasser abgewaschen. Anschließend entnahm man Därme und Magen, trennte sie und legte alles zur Säuberung in eine Wanne. Die Sau wurde jetzt so beschnitten, das links und rechts die Kotelettreihen waren. Jede Schlachtung war nach dem Fleischhygienegesetz meldepflichtig. Nach der Besichtigung durch einen amtlichen Fleischbeschauer und Trichinenkontrolle wurde die Freigabe des Schlachtgutes durch einen Stempel auf der Schweinehaut zur weiteren Verwertung freigegeben, damit der spätere Fleischverzehr ein Genus ohne Reue wurde.


„Jolante beim Bad in der Molle“ (v.l.n.r. Toni Lenz, Albert Schlief, Alfons und Gisbert Schmitz

Neben ihrer Arbeit hatten die Helfer Mühe und Not, die durch den Schlachtgeruch angelockten Katzen und Hunde zu verscheuchen.

Nun erfolgte die Zerlegung des Schweines mit der Entfernung beider Hinterschenkel und Schulterstücke so wie der Abtrennung der Speckseiten mit zwei Seiten Magerspeck, zwei Seiten fetten Speck. Beim Zerlegen der einzelnen Teile wurde noch „frisiert“, das heißt anfallende Reste wurden der späteren Wurstverwertung zugeführt.

Auf langen Holztischen in den Nebenräumen standen für die nun anfallende Arbeiten der Helfer zahllose Schüsseln, Krüge, Eimer und ein großer gusseiserner Fleischwolf bereit., um das Schwein zu Würsten, Schinken, Gepökeltem oder Geselchtem zu verarbeiten.

Die Schulterstücke, Schinken, mageren und fetten Speckseiten sowie Koteletts galt es nun für spätere Zeiten zu konservieren, indem man diese in einen Betonbottich, der sich meistens im Keller befand, unter Zugabe von Salz, Salpeter und Zucker legte und diesen halb mit Wasser füllte. Nach sechs- bis siebenwöchiger Wässerung wurden die Fleischstücke unter klarem, kaltem Wasser abgewaschen und nach tagelanger Lufttrocknung in der hauseigenen Räucherkammer, ugs. „et Räuches“ genannt, zur Haltbarkeit 1 bis 2 Tage mit reinem Buchensägemehl geräuchert. Die im Keller zur Abkühlung auf Stöcken aufgehangenen Würste wurden ebenfalls zum besseren Haltbarkeit dem „Räuches“ zugeführt.

Nachbarschafts-und Familienhilfe waren beim Schlachten und Wursten angesagt. Eine Hilfe, die auf Gegenseitigkeit beruhte. Die Hausfrau hatte nun 2 Tage außerplanmäßigen Hochbetrieb, um die Fleischmassen für spätere Zeit zu konservieren bzw. einzuwecken.

Viele fleißige Hände schafften den ganzen Tag, damit die Sau ordentlich und fachgerecht in Darm, Dose oder Gläser für spätere Zeiten versorgt wurde. Angefangen von den Schüsseln unter Tränen geschälter Zwiebeln, dem handwarmen Auswaschen der Därme für die spätere Wurstfüllungen oder das Auskochen des Schweinekopfes und das Durchdrehen von Teilen derselben durch den Fleischwolf für die Wurstzubereitung sowie fachgerechtes Abwürzen der Fülle von Leber- und Blutwurst oder das Aufhängen von Würsten in langen Reihen an Stöcken.

Die durch den Fleischwolf gedrehte „Lönt“ (Flomen) wurde nach dem zu Schmalz kochen in Steintöpfe gefüllt. Die ungefertigte Restwurstmasse wurde zu einer köstlichen Wurstbrühe aufgekocht, aufgeplatzte Würste gebraten und die ungewürzten Blutwurstreste zu „Pannas“ oder „Fülses“ mit Buchweizenmehl unter ständigem Umrühren in einem Gußbräter auf dem Herd nach vorheriger pikanter Würzung aufgekocht.

Der anstrengende Schlachttag, an dem es trotz harter anstrengender außerplanmäßiger Alltagsarbeit meist recht gesellig mit Tratsch und Lachen in Gemeinschaftsarbeit zuging, endete mit einem köstlichen Imbiss.

Welch ein Genus nach getaner Arbeit, wenn man eine Wurstbrühe, Pannas oder ein Stück Schmull (Wellfleisch oder Stich) mit reichlich Salz und Pfeffer, Brot und einem Klaren zu sich nahm. Nach mindestens 2 Tagewerken wurden alle Beteiligten für ihre Mühe mit Wurstbrei, Würsten und Wurstbrühe dankend bedacht. Es galt als selbstverständlich, dass die Schulkinder dem Lehrer tags darauf eine Wurst mitbrachten.

Für den Ankauf eines neuen Jungferkels wurde nach der Schlachtung wieder gespart, damit die Fleisch- und Wurstvorräte im übernächsten Jahr wieder garantiert waren.

Die Haltung von Hausschweinen mit Hausschlachtung, die noch nach dem Zweiten Weltkrieg bei den meisten Familien im ländlichen Kripp durchaus eine Normalität darstellte, verschwand gänzlich aus dem Kripper Ortsleben mit den veränderten modernen Versorgungsverhältnissen infolge mit den Fleisch- und Kühltheken aufkommenden Supermärkten und den neuen gesetzlichen Fleisch hygiene- Bestimmungen, wonach die Tierschlachtung nur noch im Schlachthof erfolgen darf.

Anzumerken bleibt noch, dass bis 1900 die getrocknete Schweinsblase den Kripper Tagelöhner als Tabakbeutel oder den Kripper Kindern, im frischen Zustand mit einem Strohhalm aufgeblasen und 2 Tage im Wind getrocknet, als Spielball diente.

Ferner fanden die abrasierten Schweineborsten -bis zu der aufkommenden Verklinkerung der Kaminköpfe- als unsichtbare Armierung dem Zementmörtel für den Außenputz an den Schornsteinköpfen beigemischt, Verwendung. Sie dienten zur Minimalisierung von Putzrissbildungen infolge starker Temperaturwechsel während der Heizzeit.

Des Weiteren wurde während den Kriegszeiten von Amts wegen bei den Kripper Selbsterzeugern infolge der kriegsbedingten Zwangsbewirtschaftung für Nahrungsmittel vom Wirtschaftsamt der Stadt Remagen jährlich die Bestände an Federvieh, Bienenvölker, Schweine, Rindvieh und Pferde kontrolliert, um die Lebensmittelzuteilungen in Bezug auf Fleisch, Eier, Honig und sonstiger Nahrungsmittel entsprechend der Eigenversorgung zu kürzen und die "Überproduktion" aller landwirtschaftlichen Haushalte für den Verkauf zu erfassen. Eine eigene Hausschlachtung durfte ausschließlich nur mit einem auf dem Bürgermeisteramt ausgestellten Schlachtschein erfolgen. Dienstältester Fleischbeschauer in Kripp war Johann Wahl. War nur eine geringe Geflügelmenge für den Hausgebrauch zu schlachten, so hatte man zur Nachweisführung dem damaligen Ortsbauernführer Anton Rieck, den Krippern besser unter dem Spitznamen „et Tönterle“ bekannt, den abgehackten Geflügelkopf vorzuzeigen. Falschangaben oder sonstige Irritationen an diese Behörde wurden als Diebstahl und Untergrabung der Deutschen Volksernährung strengstens geahndet.

Hausschlachtung um1940. Johann Wahl mit aufgebrochenem Schwein an der Leiter



Schwarzbrennen. © weis/funk 1994

Recht abenteuerlich ging es in Kripp während der Nachkriegszeit bei der Schwarzbrennerei zu. Aus der Not und den Nachwirkungen des II. Weltkrieges heraus, erlebte die Schwarzbrennerei eine Blütezeit.

Damals wie heute eine illegale Tätigkeit, wurde sie aufgrund der Branntweinmonopolstellung des Staates und den damaligen Richtlinien der französischen Besatzungsmacht mit empfindlichen Freiheitsstrafen geahndet. Zur Unterbindung dieser "Hobbykriminalität" wurde eigens von den Besatzern eine Dorfpatrouille eingesetzt. Der aus bitterer Not geborene Erfindungsreichtum einiger Kripper kannte keine Grenzen.

Damit das Schwarzbrennen nicht "anrüchig" wurde, ließen sich die pfiffigen "Kripper Kriminellen" einiges einfallen. Durch die starke eigentümliche Geruchsentwicklung des Brenngutes während des Brennvorganges wurde die Maische (zerkochter Fruchtbrei) zur Geruchsneutralisierung meist unter Misthaufen versteckt, damit die Schwarzbrennerei vor den empfindsamen Schnuppernasen der in den Straßen Kripps patrouillierenden französischen Besatzungstruppen unentdeckt bleiben sollte.

Neben dem Brenngeruch waren die in die Straßenrinne laufenden Wasserrinnsale, hervorgerufen durch die stets notwendige Kühlung des Kühlrohres, verräterische Spuren eines illegalen Brennvorganges. Im Rahmen der Nachbarschaftshilfe wurden während dieser Zeit ungewollte Waschtage abgehalten, die neben der Geruchsverschleierung durch Seifenlauge auch die verräterischen Kühlungswasserspuren legalisieren sollten. Hinzu wurde zur Geruchsvermischung an den Brenntagen Jauche ausgefahren.

Der Schnaps wurde wie folgt hergestellt:

Als gängigste Früchte zum Schnapsbrennen wurden meist Futterrüben, Kartoffeln, Pflaumen, Birnen und Mirabellen verwendet. Durch Aufbereiten der Früchte zu einer gärfähigen Maische setzte sich der Fruchtzucker in Alkohol um.

Aus abmontierten Kupferrohren der ausgebombten Fähre wurde von ideenreichen Tüftlern während der armen Nachkriegszeit eine Notdestille konstruiert. Als provisorische Brennblasen dienten ausrangierte Wasserkanister der US- Armee, in die die durch den Fruchtzuckergehalt vergorene Maische als Ausgangsmaterial eingefüllt wurde. Um ein Anbrennen des Fruchtbreies zu verhindern, wurde die mit beliebigen Früchten gefüllte Brennblase in das Wasserbad eines Viehkessels gestellt, das durch eine Feuerung auf eine Temperatur über 80 ° C erhitzt wurde, niederschlug. Das Produkt des alkoholischen Fruchtdestillates ergab den "Selbstgebrannten".

Um die Schnapsqualität zu erhöhen, wurden später an der Destillationsmaschine der Vor- und Nachlauf separiert und das Erstdestillat nochmals gebrannt. Aus einer Arztpraxis organisiertes Filterpapier sowie mit ausgewaschenen und mit Holzkohle gefüllten Leinensäckchen erhielt man nach der Filterung reinen klaren Schnaps. Den kaum genießbaren ungefilterten Schnaps als Erstdestillat nannte man Fusel. Den Selbstgebrannten aus Rüben nannte man ugs. "Knolli-Brandy".


Nach erfolgter Qualitätssteigerung versuchte man nun die Quantität des Brennens zu optimieren.

Eigens dafür hatte man auf dem Transportwege zum Kripper Gefangenenlager die riesigen Gusskohlenkästen eines requirierten großen Hotelherdes entwendet und auf einer provisorisch gemauerten Feuerung in der Futterküche hinter dem damaligen Haus Schumacher, jetzt Quellenstraße 54, verbracht. Nach dem Aufheizen diente der mit Öl gefüllte Gusskasten als Ölbad. Laufend wurden nun die mit Maische gefüllten Wasserkanister nach erfolgtem Brennvorgang ausgewechselt. So ist es einmal vorgekommen, dass durch Unachtsamkeit der Flammpunkt des Öles überschritten und damit eine Selbstentzündung des Öles initiiert wurde, deren auflodernde Flammen die herunterhängenden Heureste des über der Futterküche liegenden Frucht- und Heuspeicher entzündeten. Erschrocken stürzten sich die „Schwarzbrenner“ auf den Brandherd und hatten nun alle Hände voll zu tun, mit Wassereimern unbemerkt den Brandherd zu löschen, bzw. mit einer Woilach 1) die Flammen brennender Fruchtsäcke zu ersticken. Nur für diesen kurzen Augenblick ließen die Akteure mit teilweise angesengten Haaren sprichwörtlich "Schnaps einmal Schnaps sein"! 2)

1) Pferdedecke

2) Mündliche Erzählung Friedel Valentin, Kripp 1993


"De Schnaaf ", ein Kripper "Orjinal"(Original). © weis/funk 1994

Wenn auch die meisten Kripper zu der Masse der unauffällig Dahinlebenden gehörten, so gibt es jedoch auch Leute, die wegen ihrer Urwüchsigkeit aus dem Rahmen des Alltäglichen herausfallen. Man nennt sie ugs. „Orjinale“ (Originale). Meist sind es recht eigentümliche Persönlichkeiten, die sich positiv oder negativ von dem Normalbürger unterscheiden. Bei einer größeren Anzahl von Menschen eines Ortes bleibt es jedoch nicht aus, dass sich in verschiedenen Generationen auch einige Originale herausschälen, dessen Episoden hier kurz erwähnt und in Erinnerung gebracht werden.

Einer dieser Originale war um 1920 der Kripper Bürger Jakob Thelen, der im Bewusstsein der alteingesessenen Bürger als "Schnaaf" auch heute noch lebt.

Seinen Lebenserwerb sicherte sich "Schnaaf" mit allerlei handwerklichen Tätigkeiten in bester Ausführung. „Schnaaf“ vom Beruf her Anstreicher, betätigte sich später als städtischer Hilfspolizist und Nachtwächter. Zur Herbstzeit jedoch war er Nebenberuflich als Hausschlächter unterwegs. Auf Vorbestellung zog er in jedes Haus, um dem "Wuzzje" (ugs. für Schwein) beim Weg in die Einweckgläser zwecks Vorratshaltung behilflich zu sein. Als Kopfschlächter bediente er sich zu damaligen Zeiten der Hausaxt, indem er das Tier mit einem Strick am Hinterbein an irgendeinen festen Gegenstand band und bei geeigneter Kopfdrehung das Tier mit einem Axtschlag auf den Kopf tötete. Jedes Mal tätigte er beim Zuschlagen ausatmend den Ausruf "Schnaaf", wobei er die Betonung sehr lang gezogen auf den Buchstaben "a" legte.(Schnaaaaaf). Durch diese auffallende Besonderheit erhielt er von den Ortsbewohner den Necknamen "Schnaaf", der auch auf die nächste Generation überging.

Eine weitere Episode lässt uns heute noch schmunzeln. Wir möchten es mit "Chinesischer Nachtigall" überschreiben. Dank seinen handwerklichen Fähigkeiten war er bei der Bevölkerung beliebt; brauchte man seine Hilfe, war es gut ihn mit "Meister" anzusprechen, darauf legte er allergrößten Wert.

Eines schönen Tages hatte er einen Spatz eingefangen, sein Gefieder kunstvoll als exotischen Vogel bemalt und vor dem Haus in einem Vogelkäfig ausgestellt. Wissbegierigen erklärte er, dass es sich bei diesem Exoten um eine chinesische Nachtigall handele. Das Interesse der Dorfbevölkerung war natürlich groß - wo gibt es denn in diesen Rhein- Ahrgefilden schon eine chinesische Nachtigall zu sehen- und "Schnaaf" genoss das Schauspiel. 1) Der „Meister“ nun, ein krippbekanntes Original, wusste alles so trefflich vorzuführen oder auszumalen, als wäre es Realität.

1) Mündliche Erzählung Friedel Valentin, Kripp 1993


Balthasarkreuz © weis/funk 1997

An der heutigen Mittelstrasse in Höhe des Balthasarkreuzes an der Bereichsgrenze zu Remagen lauerten bis vor dem 2. Weltkrieg gerne die Kripper Dorfjugendlichen auf dem damals unbeleuchteten Weg zwischen Remagen und Kripp ahnungslose weibliche Passanten auf, um sie durch ihr plötzliches Erscheinen in Gestalt eines Gespenstes mit übergeworfenem weißen Bettlaken und einem gespenstigen Lichtlein hinter dem dicken Stamm der dortigen Linde hervortretend einen gehörigen Schreck einzujagen, worauf die letzten 500 Meter bis zum Ort Kripp in einer schnelleren Gangart die Entfernung und Zeit gänzlich verschwinden ließen. Der makaberen Spaß der damaligen männlichen Jugend wird für viele Kripper heute noch schmunzelnd in Erinnerung sein. 1)

An gleicher Stelle, die für die Kripper als Eingangspforte des Ortes angesehen wurde, erhielten oft die auswärtigen Liebhaber von der eifersüchtigen männlichen Dorfjugend eine ugs. "Fahrt Riss" (gehörige Tracht Prügel), wenn sie ihre Angebetete im "Kripper Rosengarten" besuchen wollten. 2)


1) mündliche Erzählung Balthasar Wahl, Kripp 1995 2) mündliche Erzählung Ignaz Jüssen, Kripp 1996


Die gehörnte Mutter. Eine wahre Geschichte. © weis/funk 1998

Um die hungrigen Mäuler der Familienmitglieder zu sättigen, waren manche Kripper Bürger infolge des kargen Lohnes, Arbeitslosigkeit oder Lebensmittelmangels gezwungen, bis in den schlechten Tagen der Nachkriegszeit des II. Weltkrieges den Nahrungsmittelkonsum neben dem Ackerbau noch durch internen Viehbestand zu decken. Des hohen Kaufpreises wegen waren aber nur wenige in der Lage, sich eine teure Kuh zu kaufen.

Als Ersatz dieses krummgehörnten Buttertieres war die weiße Edelziege als Kuh des "Kleinen Mannes" in unserer Region sehr vertreten. Die meist angekauften Zicklein wurden als Kapital gehegt und gepflegt. Im Normalfalle hatte man zwei dieser kleinen paarhufigen Wiederkäuer. Um die Fortpflanzung zu gewährleisten, wurde die Geis während der Körzeit zum Bock zwecks "Belegung" geführt.

Auf Grund des extremen penetranten scharfen Bockgeruches, wurden Böcke außerhalb des Wohngebietes gehalten und von der Stadt bezuschusst.

Hierzu gibt es eine lustige Episode, die sich vor dem 2. Weltkrieg in Kripp zugetragen hat.

Mutter Wahl erkannte eines Tages am dauernden Meckern und lebhaften Schwanzwedeln, dass ihre Ziege in der Brunst war und schickte ihre Kinder mit selbige zum Bock. Das mitgegebene Deckgeld juckte in der Hand gar sehr, war es doch ein heißer Tag und Limonade und Eis lockten doch so verführerisch. Also beriet man sich, die Ziege gar nicht erst dem Bock zuzuführen und das Deckgeld zu "versaufen und verschleckern", zumal die Mutter von dieser Missetat nichts erfahren würde. Eine Schwellung und Errötung im Schambereich der Ziege wurde von den Kindern durch Manipulation vorgetäuscht.

Als nun die "Geis" im Laufe der Zeit nicht runder wurde und die erboste Mutter den Bockbesitzer wegen angeblicher Zeugungsunfähigkeit des Bockes aufsuchte, konnte der sich natürlich an keinen "Paarungsakt" ihrer Ziege erinnern. Ein Donnerwetter war das Nachspiel, nachdem die Mutter herausfand, dass die Kinder ihr die "Hörner" aufgesetzt hatten, das Geld vernascht und sie um den fruchtbaren Erfolg und dem zur damaligen Zeit lebensnotwendigen Kapital gebracht hatten.1)


1) Nach einer Erzählung von Helma Laux, Kripp 1998


Rheinische Bauernschläue. ©weis/funk 1995

Vor dem Zweiten Weltkrieg war es Usus, dass fast jede zweite Kuh auf dem Lande einem jüdischen Viehhändler gehörte und man diese auf Ratenzahlung ab stotterte.
So konnte ein Kripper Bäuerlein, der auf Grund wirtschaftlicher Ereignisse in eine soziale Notlage geraten war, seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen. Der Gläubiger, ein Sinziger Viehhändler jüdischer Abstammung, beabsichtigte nun, um an sein Geld zu kommen, kurzum die Kuh des Bauern zu pfänden.

Kraft Gesetzes war dieses jedoch nicht möglich, weil 1 milchgebendes Tier zum notwendigen Lebensunterhalt der Familie gehörte. Daher war die Kuh als einziges milchgebendes Tier rechtlich gesehen nicht pfändbar.

Um diese Rechtsprechung zu umgehen und an das ihm zustehende Geld zu gelangen, ersann der Viehhändler eine List und schenkte dem armen Bauer eines Tages, angeblich aus wohltätigen Gründen, eine milchgebende Ziege.

Das noch listigere Kripper Bäuerlein erkannte die vorgetäuschte Wohltat und schlachtete abends die schenkweise erworbene Ziege.

Tags darauf zeigte der Sinziger Kaufmann sein wahres Gesicht und erschien zwecks Pfändung der Kuh in Begleitung eines Gerichtsvollziehers, in der Annahme, der Bauer hätte nun durch seinen Schenkungsakt 2 milchgebende Tiere.

Spöttelnd überzeugte das listige Bäuerlein den Gerichtsvollzieher von der Schlachtung seines zweiten Milchlieferanten, und dieser musste, um dem Gesetz genüge zu tun, unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Eine nicht nachahmenswerte Selbstüberlistung, die dem Gläubiger neben dem eigentlichen Verlust der Ziege auch noch eine gesalzene Pfändungsgebühr kostete! 1)


1) In Sinzig bekannte mündliche Überlieferung der Altvorderen, mündliche Angaben von Heinz Schmalz, Sinzig 1995

und Friedel Valentin +, Kripp 1995


Tierische Zwillingsgeburt
©weis/funk 1997

Ein recht seltenes Ereignis in Kripp war von so herausragender Bedeutung, dass es in der Presse veröffentlicht wurde. So war in der Mittwochsausgabe der Rhein-Ahr-Zeitung Nr.95 vom 28.11.1894 als außergewöhnliches Ereignis in Kripp folgender Text zu finden:

Kripp, 26. Nov. 1894.

Gestern brachte eine Kuh Zwillingskälber zur Welt. Es hat sich hiermit um dasselbe Naturspiel im Zeitraum von paar Jahren bei demselben Stück Vieh wiederholt." 1)

1) Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 635/ 822 (ZA)

Vermerk! : Eine Zwillingsgeburt bei einer Kuh gleicht fast einer Sensation.


Der Kripper Hochstapler "Graf Rene`. © weis/funk 1994

Nachfolgend eine Begebenheit zweier Kripper Lederarbeiter, die die Gunst ihres besten Zwirns und weißen Schuhgamaschen dazu verwerteten, um, wenn auch nur kurz, hochstaplerisch in den Adelsstand zu gelangen.

Als Ort des Geschehens wurde das Kurcafè in Bad Neuenahr gewählt, einer damals noblen Adresse der Hautevolee. Eigens für dieses Vorhaben hatten sich die zwei Kripper in besonders eleganter Oberbekleidung herausgeputzt, um mit einem Trick trotz begrenzter finanzieller Mittel in gehobener Atmosphäre die "große Welt" zu erleben.

Einer der beiden nahm im Cafè Platz, während der andere von außerhalb das Cafè anrief und verlangte, seinen Partner mit dem angedachten Rang und Namen ausrufen zu lassen, worauf ein Page mit einem Schild "Graf Rene zum Telefon" durch das Cafè ging.

Um den Gästen zu imponieren, erhob sich der Kripper "Möchtegraf" in seiner eleganten Bekleidung recht auffällig von seinem Stuhl und vernahm genießerisch das Raunen sowie die neugierigen Blicke der Damenwelt, während er genüsslich zum Telefon schritt.

Sein Partner erschien kurz darauf an seinem Tisch, und beide genossen beim Tanz die ihnen zu Füßen liegende Damenwelt. 1)

1) mündliche Angaben Gottfried Valentin, Kripp 1994


"Kripp de Chine". © weis/funk 1994

Aufgrund der Armut in der Nachkriegszeit herrschte in Kripp aus der Not heraus eine einheitliche Modefarbe. Wegen starker Bombardierung in den Städten im II. Weltkriege hatten die Heftpflasterindustrie ihr fleischfarbenes Basismaterial "Crèpe de Chine" Rollenweise in der Kripper Lederfabrik eingelagert. Nach Kriegsende wurden viele dieser Rollen von den Kripper organisiert und als Tuchstoff für jegliche Bekleidung vernäht. Im Kripper Jargon nannte man dieser in der Nachkriegszeit schicksalsbedingter unfreiwillige Modetrend spöttelnd "Kripp de Chine". 1)


1) mündliche Angaben Gottfried Valentin, Kripp 1994


Kripper Badespaß. ©weis/funk 2007

Aus Mangel an Hausbädern wurden früher aus Hygiene gründen und aus Badespaß an heißen Sommertagen hier in Rhein und Ahr Flussbäder genommen. Da es aber noch keine bestimmten festen Badeplätze gab und meistens in Kripp Badehosen noch nicht in Mode waren, gaben die Badenden an den Flussufern zwangsläufig Anlass, die herrschende Moralität zu untergraben. So kam es, dass es schon damals die Obrigkeit mit dem Badespaß sehr ernst nahm. Dies geht aus etlichen Verordnungen und Meldungen hervor. So hat es in Rücksichtnahme auf Anstand und Sittlichkeit schon zur Kurfürstenzeit besonders von vorbeiziehenden Schiffsgästen vermehrt Anlass zur Klage von Badeunsitten gegeben. 1)

Bekannt ist eine Order unseres Landesherrn, dem Kurfürsten Karl Theodor, Herzog von Jülich-Berg, an seine getreuen Untertanen vom 14. Oktober 1796. In dieser sah er sich zur Hebung der Moralität aus aktuellen Verfehlungen veranlasst, das Baden in öffentlichen Flüssen zu verbieten und mit 25 Reichstaler Strafe zu belegen. Die Ernsthaftigkeit dürfte wohl aus dem Wortlaut der Verordnung zu erkennen sein.

"Wir haben mißfälligst vernehmen müssen, dass seit einiger Zeit nicht nur junge, sondern auch erwachsene Leute keine Scheu tragen, in öffentlichen Flüssen, Bächen und Teichen zu schwimmen und sich zu baden. Da Wir nun dieses ärgerliche Beginnen um so mehr gänzlich abgestellt wissen wollen, als solches, wie einigere jüngere Beispiele leider ausgewiesen haben, nicht nur mit Lebensgefahr verbunden, sondern auch aller Ehrbarkeit und Zucht zuwider ist. So verordnen Wir gnädigst, daß der, oder diejenige, welche hinführo in öffentlichen Flüssen, Bächen und Teichen zu schwimmen und sich zu baden erkühnen, bei jedesmaliger Betretung mit 25 Reichsthaler, im Unvermögenheits-Falle aber mit Gefängnißstrafe unnachsichtlich belegt werden sollen. Ihr habt daher dieses zu jedermanns Nachachtung behörend verkündigen zu lassen, etc." 2)


Dieses ehemalige kurfürstliche Badeverbot wurde im Laufe der Jahre durch neue Polizeiverordnungen, wie die von der Stadt Remagen vom 21. Juni 1855, basierend auf dem geltenden Gesetze der Polizeiverwaltung vom 11.März 1850, die das Baden im Rhein in Kripp wie folgt reglementiert, damit beim Baden die Öffentliche Sittlichkeit nicht verletzt werden kann, wie dies besonders in Kripp provozierend in schamloser Weise schon oft geschehen ist.

§ 1

"Zu den Badeplätzen im Rhein in der Ortschaft Kripp werden die eine Stelle unterhalb der Kripp, vom Ziegelofen des Josef Hertgen (Höhe 2. Fähranlegestelle) ebendort bis gegen das oberste Haus der gegenüberliegenden Ortschaft Linzerhausen und die andere Stelle oberhalb Kripp, von der Ahrmündung abwärts bis zum Garten des Krautfabrikanten Kolk (später Nagel) bestimmt.

§ 2

Das Baden an jeder anderen offenen Stelle des Rheines innerhalb des Ortsbezirks Kripp ist untersagt.

§ 3

Kinder dürfen nur in Gegenwart und unter persönlicher Aufsicht ihrer Eltern oder Lehrer baden.

§ 4

Jeder Badende muss mit einer Schwimmhose versehen sein und darf sich am Ufer nicht länger aufhalten, als unbedingt zum Aus-und Ankleiden nöthig ist.

§ 5

Die Badenden müssen sich von den Dampfschiffen fernhalten.

§ 6

Gegenwärtige Verordnung tritt sofort in Wirksamkeit und wird jede Übertretung derselben mit einer Geldbuße bis zu drey Thalern oder entsprechenden Gefängnißstrafe bestraft 3)


Um die Kripper Bürger womöglich nicht auf den moralischen Tiefststand absinken zu lassen, bemühte sich der damalige Bürgerverein Kripp mit einer Aktion, die behördlicherseits nicht im Einklang stand. So entnehmen wir aus der Rhein-Ahr-Zeitung vom 17. August 1911 im Lokalteil :

" 14. August; Gleich dem Badestrand in Rodenkirchen hatte auch der Krippener Bürgerverein ein Strandbad eingerichtet. Doch nur kurz war das Vergnügen. Schon am zweiten Tag wurde polizeilicherseits das Baden dort verboten. Nun steht das "neu angestrichene Strandbadehaus" einsam und verlassen auf der Kiesbank der "wilden" jetzt fast vollständig trockenen Ahr." 4)

Die Gründe der behördlichen Schließung blieben uns leider unbekannt und so bleibt es weiter unserer Phantasie überlassen und zu rätseln, ob die Kripper den jährlichen Tribut von 3 Mark 5) für die Benutzung des "stromfiskalischen Eigentums" an die Regierungs-Hauptkasse zu Koblenz vergessen hatten abzuführen oder ob es bauliche Mängel wie Astlöcher zum "spinxen" in der Umkleidekabine oder anderer Mängel der Anlass der Schließung waren.

"Ein heißer Sommer wird im gesamten Juli bis Mitte August 1911 verzeichnet, wobei der 23.Juli mit 36 Grad Celsius als heißester Tag gemessen wurde. Infolge des ausbleibenden Regens herrschte große Trockenheit in dieser Region. Viele Menschen ertranken beim Baden im Rhein. Alleine in Rodenkirchen, wo 40.000 Menschen sich im Rhein Abkühlung verschafften, ertranken 11 Menschen an einem Tage." 6)

Der Wunsch der Kripper und umliegenden Orten das nahe liegende kristallklare Flußwasser zum Ausbau eines gemeinsamen Volksbades nutzbar zu machen, erwies sich als nicht durchführbar.

Diese Idee, eine gemeinsame volkshygienische Badeanstalt für die benachbarten Orten Linz, Kripp, Leubsdorf und Sinzig am linken Rheinufer gegenüber Leubsdorf auf breiter Basis mit der Fährgenossenschaft Linz- Remagen zu errichten, scheiterte an dem Veto maßgeblicher Herren aus Linz und Kripp, die im eigenen Interesse für eine Badeanstalt 300 m oberhalb der Ahrmündung mit einem Restaurationsbetrieb, dessen erforderlichen Räume mittels zerlegbarer Holzwände bei jeder jährlichen Saison errichtet würden, plädierten.

Dem Stoismus der Kripper und Linzer wird in einem Zeitungsartikel der lokalen Presse durch den Sinziger Rat entsprechend Rechnung getragen: "Es ist bedauerlich, daß die Idee, auf breitester Grundlage eine volkshygienische Einrichtung für mehrere leistungsfähige Kommunen zusammen zu schaffen, an den Sonderbelangen von Kripper Bürgern zum Scheitern kommen konnte..." Mit Begründungen wie: "...zum Lagern im Sande ist an dieser neuen Stelle bei Kripp keine Gelegenheit. Von dem Weidengestrüpp bis zum Wasser muß man an dieser 30 Schritte weit gröbsten Rheinkies überschreiten und im Wasser selbst fällt das Ufer bei 10 Meter schon auf eine Tiefe von 1,50 Metern und mehr. Gegenüber Leubsdorf hat das Wasser erst in einer Entfernung von 40-50 Metern eine Tiefe von 1,50 Metern und dazu ist hier die Wasserströmung nur ganz schwach, während sie an der anderen Stelle sehr stark ist. Das ganze Gelände bei Kripp liegt zudem so tief, daß es nicht selten vorkommen wird, daß während der Saison über Nacht ein plötzliches Sommerhochwasser Wirtschafts- und Ankleideräume wegspült oder doch wesentlich beschädigt und verschlammt hat." wurde das Pachtanliegen der Kripper an den Sinziger Rat abgeschmettert und von diesem nun unbekümmert Kripper Interessen ein eigenes Strandbad in Höhe des Bootshauses vorangetrieben, das zum Beginn der Badesaison 1928 von den Krippern benutzt wurde. 7) Ein gebildeter Ausschuss zur Bekämpfung der Badeunsitten im Volkswartbund beschloss auf einer Sitzung im Remagener Jugendheim die Forderung, dass bei allen öffentlichen Badestellen -ob geschlossen oder wildes Baden-unbedingt die Trennung der Geschlechter durchgeführt werden müsse. Des Weiteren wurde die Einschränkung der zum Baden freigegebenen Stellen in den Strömen und Flüsse, eine anständige Badebekleidung und eine genügende und wirksame Aufsicht durch die Provinzial-und Kommunalbehörden gefordert. Mit welchem Ernst die Hebung der Moral vorangetrieben wurde, spiegelt ein Artikel in der hiesigen Lokalpresse wieder. "Unter allen Umständen müsse dafür gesorgt werden, daß Badeplatz und Badestrand in Badebekleidung nicht verlassen werden, daß insbesondere niemand in Badebekleidung die Verkehrswege betrete, außerdem dürfe nicht gestattet werden, daß unmittelbar mit der Badegelegenheit ein Restaurationsbetrieb verbunden sei, insofern dadurch die Möglichkeit gegeben wird, unterschiedslos unter den Geschlechtern gesellig zu verkehren." 8)

Zu der obrigkeitlich verordneten Keuschheit sollte auch eine neue Badebekleidungsreglement beitragen, wobei Frauen nur mit einem bis zum Knie reichenden Badeanzug mit einem Art Röckchen und achselüberdeckendem Oberteil Badeanzüge ausschließlich nur an den limitierten Rheinuferstränden in Kripp baden durften. Des Weiteren die Männer mit ebenfalls einer Oberkörper bedeckenden bis zu den Knien reichenden Badehose.

Was sich jedoch bei den Badenden trotz behördlicher Maßnahmen am Kripper Rheinufer um 1900 abspielte, ergibt sich aus mündlichen Überlieferungen des Vincens Voß, Besitzer der Kripper Essigfabrik, der über die etwas lockere Kripper Lebensart beim Baden im Rhein oder am Rheinufer, über der sich viele Dampfschiffahrtspassagieren erboßten, wenn Ihnen die Kripper Badegästen allen Alters beim Vorbeifahren ein nacktes Hinterteil zustreckten, berichtete. Selbst ehrbare Kripper Familien, die ihr Sonntagsvergnügen mit einem Familienspaziergang am Rhein krönten, hatten alle Not ihre allzu neugierig guckenden Kinder zu ermahnen, eine andere Blickrichtung einzuschlagen. So ermahnte der fortschrittliche Vincens Voß seine Kinder: „ Kinder schaut einen anderen Weg“. Seine Kinder erfreuten sich beim Bad im Rhein, und zwar in Kleidern. 9)

Die aufkommende Dampfschleppschifffahrt bereitete den Kripper Badenden zum Ärgernis der Rheinschleppschiffer größtes Vergnügen, die Schleppkähne anzuschwimmen und sich ein Stück bergwärts schleppen zu lassen. Dies veranlasste die Schleppschiffer zu der Idee, die Kahnränder stets frisch zu teeren, damit sie auch sadistisch an den "Badefreuen" der mit Teer beschmierten Schwimmer teilhaben konnten.

Die große Badestelle für die Kripper am hiesigen Rheinufer lag bis zum 2. WK überwiegend an der „huuh Pappelwegg“ (hohe Pappelweiden) bei Stromkilometer 629 bis zur Ahrmündung.10)

Wegen der aufkommender Rheinwasserverschmutzung nach dem letzten Weltkriege diente das um 1976 an der nördlichen Ortsgrenze errichtete kommunale Freizeitbad als Allwetterbad mit einer Wasserrutschbahn von 87 Metern den Kripper zum Badevergnügen.

Quellen:

1) Willy Weis und Hildegard Funk, “ ...und dann ab ins Strandbad...“ In: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2007, S. 179- 181

2) ....zitiert nach: Herbert Weffer, Überhaupt ist das Baden nicht allgemein Sitte. In : Jahrbuch des Rhein- Sieg- Kreises 1989, s. 179- 181

3) Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 635/ 395 (Polizeiverordnung vom 21.6.1855)
4) Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 635/ 738, Zeitungsartikel
5) wie 1, 181)
6) Tagebuch des Kripper Georg Valentin, S.2o- 21
7) Zeitungsartikel, Im: General- Anzeiger- Bonn vom 29. März 1928
Vgl. Hans Kleinpass: Sinzig 1815- 1969. In: Sinzig und seine Stadtteile- gestern und heute, Sinzig 1983, S. 276.
8) Zeitungsartikel, Im: General- Anzeiger- Bonn vom 22. Mai 1931)
9) Karl- Heinz Schmitz, Köln, Sohn von Augusta Voß, geb. Sorgenfrey, Schreiben vom 27.12.06 an die Verfasser
10) mündliche Angaben Michael Schumacher, Kripp +

Giftalarm © weis/funk 1998

Infolge der modernen Nachrichtentechnik bediente man sich schon vor der Jahrhundertwende der Eilbedürftigkeit wegen des Telegraphen. Hierdurch wurde der Remagener Bürgermeister Beinhauer von der drohenden Katastrophenlage mit Hilfe der modernen Kommunikationstechnik in Kenntnis gesetzt und zur Gefahrenabwehr um weitere sofortige Präventivmaßnahmen gebeten.

Gemäß schriftlicher Verfügung des Remagener Stadtbürgermeisters Beinhausen vom 20.11.1877 an den Gemeindevorsteher Rick zu Kripp wurde dieser verpflichtet, zur "Abwendung von Gefahr für Menschen und Thieren " infolge des zwischen Mülhofen und Bendorf im Rhein gesunkenen mit 700 Zentnern Arsenik beladenen Dampfschiffes, alle Brunnen in Kripp, welche durch ihre Lage vom Rheinstrom gespeist werden, bis auf weiteres sofort unter polizeilichen Verschluss zu legen.

Ferner den Verkauf "aller frischen Fische von der Hand" zu untersagen und die "zum Verkauf angebotenen Fische zu confiszieren". Über etwaige Erkrankungen durch Vergiftung infolge dieses Unfalles war sofort Anzeige zu erstatten. 1)

Foto: Telegramm

Die sofortige Erledigung einer „ortsüblichen Bekanntmachung“ in Kripp wurde dem Remagener Bürgermeister durch den hiesigen Bezirks-Vorsteher Rick am 21.Nov.1877 durch Unterschrift attestiert.

Telegramm (Kopie ):August Wingen, Bad Bodendorf + , Slg. Weis/ Funk Kripp


Arbeitsunfall. © weis/funk 1994

" Am 2 ten August 1906, abends gegen 7.00 Uhr, ist der Brückenmeister Gottfried Lüttgen aus Kripp beim Auffahren des ersten Döppers (ugs.,Boje) ertrunken. Die Leiche wurde am 5 ten August in Remagen gelandet und nach Kripp gebracht." 1)


1) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876- 1920, Seite 13


Bootsrennen © weis/funk 1996

Im September 1907 wurde eine große Motorbootwettfahrt von Mannheim bis Köln durchgeführt. Voller Begeisterung notierte Valentin unter diesem Datum in sein Tagebuch:

Es war großartig, wie verschiedene Boote mit einer fürchterlichen Schnelligkeit durch das Wasser schossen. Das Boot "Zariza" war das schnellste. Es durchlief die Strecke von Koblenz bis Köln (98 Kilometer) in 1 3/4 Stunden" 1)

1) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876- 1920, Seite 14


Zeppeline über Kripp


Ansichtskarte mit einem Zeppelin über Kripp. Postalisch gelaufen 12.10.1910.

(Photo- Verlag C. Schmitz Sinzig, Slg. Weis/ Funk)


Am 2. August 1909 wurde die erste Ankunft eines 136 Meter langen, mit einem Durchmesser von 13 Metern 1), lenkbaren Luftschiffes mit der Typenbezeichnung LZ 5 unter dem Namen „Z II" fahrend von der hiesigen Bevölkerung volksfestartig mit viel Spannung und Spektakel aufgenommen. Vielerorts hatten Musikkapellen an der Flugroute Aufstellung genommen, um dieses Ereignis mit Glockenläuten und Böllerschüssen entsprechend zu feiern.

Graf Zeppelin

Die "Z II", mit ihrem Eigengewicht von 13 Tonnen und einer Nutzlast von 4,7 t 2) wurde am 31. Juli 1909 vom Bodensee nach Frankfurt gefahren, um auf der damaligen ILA (Internationalen Luftfahrtausstellung) nochmals gezeigt zu werden. Der Flug zu dem neuen Standort Köln erfolgte am 2. August durch den Erfinder, den ehemaligen Kavalleriegeneral Ferdinand Graf von Zeppelin (8.7.1838-8.3.1917) 4) selbst und führte rheinabwärts über Bingen, Koblenz und Weißenthurm. Von hier aus kämpfte sich der aus 17 Traggaszellen mit einem Gesamtvolumen von 15.100 Kubikmetern Wasserstoff gefüllte 5) Zeppelin bei äußerst schlechtem Wetter bis zur Erpeler Ley durch, wo er jedoch machtlos gegen die Eishagelschauern und Sturmböen bis nach Andernach abgetrieben wurde. Wegen seiner maximalen Höchstgeschwindigkeit von 49 km/h konnte er gegen die widrigen Winde bis zu maximal 20 Sekundenmetern ( = 72 km/h) nicht mehr anfahren. 6) Daraufhin drehte er zum Ausgangspunkt Frankfurt ab.7) Weit über eine Stunde hatte der Kampf über der Sinziger und Remagener Flur um sein Vorankommen gedauert. Zeppelins Kühnheit hätte ihm beinahe das Leben gekostet. Zeitzeugen in Kripp erkannten deutlich das Hin- und Herschlagen der umspannten aus Baumwollstoff leicht verletzbaren Außenhülle über dem Dural-Aluminium-Gerippe, das jederzeit zu zerreißen drohte.8) Nur haarscharf entging der Luftriese einer Katastrophe, als er durch die Unbill der Naturgewalten bis annähernd 20 Meter an die schroffe Felswand der Erpeler Ley gedrückt wurde.9)

Zeppelin über der Erpeler Ley, (Foto: Slg. Weis/Funk (Repro)

Die Kripper staunten nicht schlecht, als sie erstmals die gigantischen Ausmaße eines Luftschiffes sahen, und Jubel entbrannte ringsum bei den auf den Bergkuppen mit Tüchern winkenden angesammelten Menschen, als sie den Luftriesen in Zigarrenform mit dem Surren der motorschwirrenden Propellergeräusche wahrnahmen.10)

Anschaulich beschrieben wird dieses Szenario vor der Erpeler Ley von einem Reporter auf dem Victoriaberg in Remagen: " Der Kampf des Luftschiffes gegen die von Nordwesten heranbrausenden Sturmböen, denen man am Steuerruder durch Höhersteigen, Seitwärtsfliegen und wieder Herabsinken zu begegnen suchte"11), wird als ergreifend schöner Anblick gepriesen. "Der Anblick des vor dem Leyfelsen eineinhalb Stunden gegen die Naturgewalten ankämpfenden Luftriesen, der sich mitunter von der Sonne grell beleuchtet gegen die schwarzen Gewitterwolken abhob, muß faszinierend gewesen sein, zumal die ganze Zeit über dem Siebengebirge hohe Gewitterstürme standen".12)

Ein erneuter Startversuch in Frankfurt am 3.August scheiterte an einem zerborstenen Propeller. Nach einer Reparatur konnte am 5. August die Fahrt fortgesetzt werden.13) Gegen 07.15 Uhr überfuhr das Luftschiff den Luftraum der Goldenen Meile bei Kripp, blieb aber für die wartende Kripper Bevölkerung wegen starken Nebels unsichtbar. 14)


Voller Begeisterung vermerkte der Kripper Bürger G. Valentin die Einzelheiten in seinem Tagebuch:

" Am 2 ten August 1909 kam Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff von Frankfurt kommend über unseren Ort geflogen. Er wollte nach Köln, mußte aber im Remagener Flur die Weiterfahrt wegen plötzlich eintretenden starken Sturmes (West-Nordwest) aufgeben und fuhr wieder nach Frankfurt zurück. Es war großartig, wie derselbe so langsam gegen den Sturm ankämpfte und wir hatten Zeit genug, denselben in der Fahrt zu beobachten. Auf vielen Bergkuppen hatten sich hunderte Schaulustige schon am Morgen eingefunden, bis er gegen 4 Uhr erst ankam. Er hatte unterwegs viel mit widrigen Winden zu kämpfen. Am 5 ten August kam derselbe morgens 7 Uhr 15 wieder hier vorbei, konnten aber wegen des starken Nebels nichts sehen. Wohl hörten wir das Heulen der Motoren. Er flog mit einer sehr großen Geschwindigkeit, denn viertel nach 8 Uhr war er schon in Köln." 15)

Spontan beschloss der Gemeinderat von Erpel, auf der 191 Meter hohen Erpeler Ley einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Sturmfahrt zu errichten. Von dieser Ehre erhielt Graf von Zeppelin am 4. August 1909 telegraphisch Kenntnis. In einem persönlichen Handschreiben vom 13. August 1913 bedankte sich der Graf bei der Ortsgemeinde Erpel für ihre Idee. 16)

Des Ruhmes bewusst, wurde auf dem Plateau der Erpeler Ley 1 Jahr später ein sich heute noch dort befindlicher Gedenkstein zur Erinnerung an die erste Fahrt eines Luftschiffes in diesem Gebiet aufgestellt, die infolge widriger Ereignisse auch hier endete. Die Inschrift des 2,40 Meter hohen und 100 Zentner schweren, oberhalb der ehemaligen Ludendorffbrücke stehenden Monolithen lautet: "Gedenkstein der ersten Fahrt eines lenkbaren Luftschiffes über den Rhein , Sturmfahrt SR. EXL. des Grafen von Zeppelin mit Z II am 2ten August 1909. Gewidmet von der Gemeinde Erpel." 17)


Zwei Wochen später, am 19. August, überfuhr erneut ein Zeppelin, das Luftschiff LZ 6, ein Schwesterschiff des "Z II", das bereits mit stärkeren Motoren ausgerüstet war, das Gebiet der "Goldenen Meile." Natürlich waren auch wieder viele Kripper Schaulustige auf den Straßen und starrten mit offenen Mündern in die Luft, als sie das tiefe Brummen mit Schwirren der 6 Fuß großen Propellerantriebe des Zeppelins vernahmen, der über sie wie eine lange fliegende silberne Zigarre hinweg schwebte.


Zeppelin über der Goldenen Meile zwischen Remagen und Kripp nach dem 1.Weltkrieg
Stadtarchiv Remagen,Slg. Weis/Funk (Repro)

In der Folgezeit gewöhnten sich die Kripper allmählich an den Anblick weiterer Luftschiffe.18)

Die Entwicklung der Luftschiffe schritt weiter fort. 20 Jahre später, am 3.Oktober 1929, überfuhr das legendäre Luftschiff LZ 127, "GRAF ZEPPELIN", mit 70 Gästen an Bord, gegen 15.00 Uhr den Ortsteil Kripp in Richtung Bonn. Anlässlich des Abzuges der französischen Besatzungskräfte fuhr das Luftschiff "GRAF ZEPPELIN" nochmals in der so genannten "Befreiungsfahrt" am 6. Juli 1930 in Richtung Andernach an Kripp vorbei.

Am 29. März 1936 berührten "GRAF ZEPPELIN"19), bereits bekannt als Veteran der Lüfte, den Kripper Luftraum in Richtung Andernach. Gefolgt wurde es vom größten Luftschiff der Welt, dem gigantischen Luxusdampfer der Lüfte, dem 248 Meter langen und 41 Meter im Durchmesser großen Luftschiff "HINDENBURG", das durch den Antrieb von 4 Dieselmotoren von je 1050 PS 20) eine Geschwindigkeit von maximal 135 km/h erreichen konnte 21) und für die Kripper der Namenszug sowie die Olympischen Ringe in ihren fünf olympischen Farben recht deutlich zu sehen waren. 22)


Kriegseinsätze 1.WK

Ab 1915 erwarb das Militär Luftschiffe wegen ihres großen Einsatzradius für den Kriegseinsatz. Nach 1189 Aufklärungsflügen und 231 Angriffsfahrten, wobei alleine bei 51 Angriffen 197 t Bomben über Feindesland sowie auf feindliche Flottenverbände im Meer abgeworfen wurden, stellte man zu Kriegsende wegen aufkommender Fliegertätigkeit den.

Fahrbetrieb ein. Diese Kriegszeppeline mit über 9 t Nutzlast wurden seitlich für strategische Bombeneinsätze mit annähernd 200 Bomben a 50 kg bestückt.


Die gefahrfolle Arbeit an der Luftschiffhalle Düren/ Rhld Dachdecker W(?)..man / Musketier Lohmer6 / 619. August 1915“


Quellen:

1) Zeppelinmuseum Friedrichshafen, schriftl. Auskunft (Dr.Mgh/he/Dokument 3) vom 6.8.1996.

2) ebda.

3) ebda.
4) Theo Felten, "Das werde ich nie vergessen". Zeitungsartikel in: Kirchenzeitung des Erzbistums Köln, Nr. 30-31 vom 26.7.197

5) wie Fußnote 1

6) ebda.

7) W. Sauerbrei, "Zeppeline über Neuwied und Umgebung" In: Heimatjahrbuch Neuwied 1996

8) Mündliche Angaben der Zeitzeugen Alois Ueberbach, geb.1901 und Michael Schumacher,geb. 1902

9) Mündliche Auskunft des Heimatchronisten Willi Christmann, Erpel, nach Rücksprache mit einigen Zeitzeugen.

10) Tagebuch der Fam. Valentin, Kripp 1876-1920, Seite 18-19, desgl. mündl. Angaben wie Fußnote 8

11) wie Fußnote 4

12) ebda.

13) W.Sauerbrei, siehe Fußnote 2

14) ebda, desgl. Valentin, siehe Fußnote 10

15) Valentin, siehe Fußnote10

16) Christmann, siehe Fußnote 9

17) ebda.

18) Sauerbrei, siehe Fußnote 7.

19) ebda.

20) Zeppelinmuseum Friedrichshafen, schriftl. Angaben von Dr.Meighörner v.27.8.96 (Dr.Mgh/he)                                                        

21) Zeitungsbericht v. Theo Felten ,siehe Fußnote 4

22) Willy Weis/ Hildegard Funk, Zeppeline über der Goldenen Meile, in: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1998, S. 105 ff.

23) Bild 96 - Zeppeline- Weltfahrten I und II. Ein Sammelalbum der Zigarettenfirma der Marken Club, Liga und Sanet Georg“ mit Bromsilber-Fotos im Kleinformat, 1932


Literatur:

Heimatjahrbuch des Kreises Neuwied 1996, "Zeppeline über Neuwied und Umgebung", von Wolgang Sauerbrei, S.150-154.

Tagebuch der Familie Valentin, Kripp, von 1876-1920, Seite 18- 19, Überarbeitete Ausgabe von Willy Weis , Kripp , 1994

Bonner Rundschau vom 10./.1988, ZA : "Der Querkopf wurde zum Nationalhelden" von Peter Mittenzwei.

Kirchenzeitung d.Erzbistums Köln Nr.30-31 vom 26.7.1974, ZA: "Das werde ich nie vergessen" von Theo Felten.

General-Anzeiger Bonn vom 2.8.1989, ZA: "Wetter zwang Zeppelin zur Umkehr".

Neuwieder Zeitung vom 2.8.1984, ZA: Als der Zeppelin in schweren Sturm geriet".

Schrifttum des Heimatforschers Willi Christmann, Erpel, "Luftschiff, genannt Zeppelin, erstmals bis Erpel am Rhein"

(Maschinenschriftliche Aufzeichnung)

Schrifttum des Heimatforschers Willi Christmann , Erpel, "Hinweise zu den Ereignissen am 2.8.1909 und dem Zeppelin Gedenkstein auf der Erpeler Ley" (Maschinenschriftliche Aufzeichnung)

Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1998, „Zeppeline über der Goldenen Meile“, von Willy Weis/ Hildegard Funk, S. 105 ff.


Zeppelin-Lied

Melodie: Mit dem Pfeil, dem Bogen,


Hoch in stolzen Bogen

Ueber Berg und Tal

Kommt Zeppelin geflogen

Früh im Morgenstrahl!

Ihm gehört das Weite

Ihm gehört die Welt!

Friedlichem Geläute

Lauschet froh der Held!


In dem Reich der Lüfte

herrscht er stolz und kühn,

Ueberbrückt die Klüfte! -

Heil Dir ! Graf Zeppelin!

E.S.


Gesehen in „Archiv Deutscher Postgeschichte“ ohne Heft Nr. und Datum (Loses Blatt)


Herausragende Unwetter. © weis/funk 1995

1.) Hagelkreuz

Dieser Distrikt "Am Hagelkreuz" wurde nach dem Standort des Kreuzes im Flur 32 in der Nähe von Kripp benannt. Das Kreuz, dem der Distrikt seinen Namen verdankt, wurde 1693 errichtet, anlässlich "...ein in festo St. Johannis entstandenes Ungewitter und dabei sich ereignete ungewöhnliche Wasserflut, die Länderey und Weingarten vollends abgeschwemmt". Aber älter als dieses "Hagelkreuz" sind in Remagen die Hagelfeiern. In früheren Jahren, an Christi Himmelfahrt, ging alljährlich eine Prozession durch die Flur, nach 1693 immer bis zum Hagelkreuz, die zur Abwendung des Schadens und Gewitter auch " Hagelfeier" genannt wurde. (HJB 1963, S.89, Vier lehrreiche Remagener Flurnamen, nach Wilh.Langen)


2.)1795 Hagelschlag, alle Gemarkungen zerschlagen, taubeneier großer Hagel hat bis zur endgültigen Schmelze 24 Std. gelegen. (Vermerk: hat nichts mit Weinbau zu tun!!

( LHKO 635/945, Notizen des evang. Schullehrers Jakobus Hürter zu Remagen)


3) Weintraubenernte zerschlagen

Eintrag vom 29. August 1736 infolge eines verheerenden Unwetters mit Hagelschlag am 15. August 1736 „…der Weinstock nicht vor diß Jahr aus zehn Morgen einen Eymer (1 Eimer = 32,5 Liter, 4 Eimer = 1 Ohm, 1 Ohm = 130 Liter (Landes- Lehr- Anstalt Walporzheim, Herr Lawnik) Drauben zu bekommen seyn, und das newe Holz zerschlagen, dass auff zukommendes Jahr wenig zu hoffen noch geben kann…“. (Rh. Antiquarius/(Stramberg), S. 258) gibt erstmals Aufschluss über die Größenordnung von 10 Morgen ((heute: 1 Morgen = 25 ar, 100 ar = 1 Hektar) siehe weitere Fußnoten am Schluss)


Eine 1 Meter dicke Hofmauer des Herrn Kolk (später Anwesen Nagel) wurde von der Gewalt des Sturmes und des Wassers umgeworfen.

An der alten Landstraße in der Wiese (vermutlich auf der gegenüberliegenden Seite der Beton-Union) stand eine mächtige große Weide mit sehr weitragenden Ästen. Der größte Baum in der Umgebung. Auch er wurde vom Sturm umgerissen. Überall in Kripp bot sich ein Bild der Zerstörung und der Verwüstung. 1)

1) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876-1920, Seite 3


Früher Winter © weis/funk 1994

Vom 1ten auf den 2ten Novb. 1919 ist hier 10 cm hoch Schnee gefallen, am 11ten wieder viel Schnee, am 13., 14. und 15ten Novb. lag er 28 cm hoch 1)

1) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876- 1920, Seite 34


Lebensrettung. © weis/funk 1994

Am 24ten Januar 1918 wurde von den Krippern Gottfried Valentin und Johann Zihs, als sie mit der Koppel fischen fuhren, ein fremdes Mädchen mit einem Bootshaken vor dem Ertrinken gerettet. Das Mädchen, was absichtlich in den Rhein gegangen war, hieß Grütefin und stammt aus Berlin. Es wurde nach Niederbreisig zu einem Herrn Simon gebracht, wo es Aufnahme fand. 1)

1) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876- 1920, Seite 28

Kalter Frühling © weis/funk 1994

Am 1. Mai waren ringsum alle Bergkuppen mit Schnee bedeckt und bis zum 15. Mai 1?? Wurde unsere Region von vielen Nachtfrösten heimgesucht, die folglich die Bohnen und Kartoffeln haben erfrieren lassen.

Valentin, Seite ?


Das erste Flugzeug über Kripp. © weis/funk 1993

Am 24. Februar 1913 vernahmen die Kripper zum ersten Mal in ihrem Leben ein mechanisch angetriebenes vogelähnliches Gerät in der Luft.

Der erste Aeroplan 1) überflog Kripp um viertel vor 5 Uhr und war um halb 6 Uhr schon in Köln. Es war ein Doppeldecker, besetzt mit einem Major als Aviateur 2) und einem Leutnant. 3)

1) damalige Bezeichnung für Flugzeug

2) alter Name für Pilot

3) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876- 1920, Seite 22


Die "Eheberedung" der Maria Christina von Meurers aus Breisig auf der Kripp 1735. © weis/funk 1998


-Ergebnisprotokoll einer vorab unter den Brauteltern in höflichen, aber klaren Worten ausgehandelten wirtschaftlichen Eckpunkte des Heiratsversprechens -

Eine rechtliche Absicherung zwischen Eheleuten mit irdischen Gütern ist keine Erfindung der heutigen Gesellschaft. Gleiches wurde auch früher schon zwischen Eheleuten in Kripp praktiziert, wie einer alten Urkunde " Im Namen der Aller- Heiligsten Drey Einigkeit" des Breisiger Pfarrarchivs zu entnehmen ist. 1)

Zur Zeit des Feudalismus galt die Ehe in der aristokratischen Gesellschaft und im Großbürgertum als politische und mit viel Bedacht anzugehende Angelegenheit, die diplomatisches Geschick erforderte und bei der der wirtschaftliche Aspekt kein unbeachtlicher war. Bevor sich der zarte Keim der Liebe entwickelte und eine Ehe eingegangen wurde, ging in erlauchten Kreisen üblicherweise eine ausführliche "Eheberedung" zwischen den Brauteltern voraus, bei der die peinliche Erörterung beiderseitige Mitgift und vor allem die finanzielle Versorgung der Braut ausgehandelt und notariell mit der Anrufung Gottes eröffnet und beurkundet wurde.

Drei handgeschriebene und mit 11 Siegeln notariell beglaubigte Seiten geben Zeugnis von einer solchen in Kripp stattgefundenen "Beredung".


Fotos. 2 Urkundenblätter

So wurde am Donnerstag, dem 10.4.1735 in Anwesenheit des Notars V. Rupprecht die Bedingungen der Eheschließung zwischen allen sieben Anwesenden der beiden Familien festgelegt. Gegenwärtig waren das Brautpaar (Freiherr Johann Friedrich von Oeynhausen 2) und Maria Christina Theresia Rosa von Meurers 3)), die Eltern der Braut, die Witwe des Freiherrn Johann Friedrich Christoph von Oeynhausen, Nassau-Hadamarscher Obristhofmeister, Landeshauptmann und Kammerherr, Anna von Oeynhausen, genannt Schmiz, und der Hochedelgeborene Hochgelehrte Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht zu Essen und Thorn Hofrat, Richter des Ländtleins Breisig, Sydici der Stadt und des Amtes Sinzig Johann Wilhelm von Meurers, beider Rechte Doctor sowie seine Frau Assuera Maria Margaretha von Meurers, geb. Baronese von und zu Metternich, Heimerzheim, Nechtersheim und Holtmühlen.


Foto: kleine Urkunde


Vergleichbar mit einer heutigen Verlobung hatten die Eheleute sich bereits bei der Hillich 4) unter dem 5. des Monats per "Handstreich" versprochen, "sich einander zur heiligen Ehe zu nehmen und christkatholischem Gebrauch nach durch priesterliche Copulation und Beilager fürderab bestätigen zu lassen und gegen- und miteinander in treuehelicher Pflicht und Liebe, wie es frommen Christgetauften zukommt, bis ans Ende ihres Lebens zu verharren." 5)

Natürlich wurde auch die rechtliche Absicherung des Witwenstandes vorbedacht. Die wirtschaftliche Regelung des Ehevertrags sah vor, dass im Fall des Todes des Ehegatten die Frau und etwa geborene Kinder sich das Erbe teilten, wobei das beiderseitige Testamentsrecht unberührt blieb - diese Regelung entsprach der "Erzstift-Köllnischen Landverordnung".

Außerdem erhielt die Ehefrau "um die Bürde des Ehestands zu erleichtern", insbesondere für Ausstaffierung "standesmäßiger Kleidung und Leibzierde" einen Betrag von zweitausend Florin Rheinisch zur selbsteigenen Disposition, wovon der Brautvater und der Bräutigam je 52 Albus Köllnischer Währung Anzahlung leisteten und sich verpflichteten, den Rest verzinslich in ratierlichen Teilbeträgen auszugleichen. Nach der Unterschriftsleistung der beiderseitigen 7 Familienangehörigen, sowie der 3 Zeugen, dem Pfarrer Peter Mürll von Erpel und dem dortigen Frühmesser Anton Hütig und dem Breisiger Frühmesser Matthias Ulrich wurde die Richtigkeit des Contractes durch die Unterschrift des Notars beglaubigt und eigens für jede Signatur die Echtheit mit einem Siegel bekräftigt.

Als Zeit und Ortsangabe sind beurkundet : "so geschehen an der Krippe gegen Linz über, Ambt Sinzig, den 10ten Aprilis 1735". 6)

Der Grund, aus welchem Grund die Brauteltern für den Abschluss dieses Ehevertrages ein Gasthof „an der Kripp gegenüber Linz" wählten, dürfte vermutlich in der Annahme liegen, dass die begüterte Breisiger Familie Meurers mit der Familie Oeynhausen, die in Erpel in direkter Rheinlage wohnten, Kripp als neutraler Ort zwischen den beiden Wohnlagen Breisig und Erpel wählten. Diese Vermutung des Wohnsitzes Erpel resultiert aus einer noch heute dort befindlichen Wappensteinplatte in der rheinseitigen Begrenzungsmauer sowie einer wappenverzierten Grabplatte des bekannten niedersächsischen Geschlecht des Freiherrn Ludwig von Oeynhausen, der durch seine Frau Grundbesitz in Erpel erhielt.7)

Foto: letztes Urkundenblatt mit Siegeln und Unterschriften

1) Die Eheberedung für Maria Christina Meurers 1735 auf der Kripp mit elf Siegeln abgeschlossen“ von 
Carl Bertram Hommen, in „Von Hexen, Schiffern und Papiermachern am Rhein, Ahr und Eifel, Bad Breisig 1991, Seite 63ff.

2) Sohn der begüterten Familie niedersächsichen Geschlechts mit Grundbesitz in Erpel 
3) Tochter der begüterten Familie Meurers aus Breisig

4) Hillich= altes rhein. Wort für eheliche Versprechung,Verlobung. Nach der damaligen Volksauffassung legte bereits die Verlobung die Treuepflicht auf und wurde als bindendes Eheversprechen bewertet. Auf dem Tridenter Konzil (1563) erhielt die kirchliche Trauung unter Zuziehung von 2 Brautzeugen einen Rechtssinn der eigentlichen Eheschließung. (Peter Weber in Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 199, S.155, -Hochzeit im Wandel der Zeit-) Nach der französischen Revolution wurde die Zivilehe durch den Code Civil geregelt, der auch ab 1876 für das Deutsche Reich obligatorisch wurd
5) zimmerlexikon 1715 : "Morgengabe ist ein ansehnliches Praesent, welches ein neuer Edelmann von Adel seiner Braut den anderen Hochzeits- Tag früh Morgens nach dem ersten Byschlaf und beschlagener Decke statt eines Lohnes und einiger Ergötzlichkeit vor die verlorene Jungfernschaft zu verehren pflegt. (Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1987, S.202-203, Fußnote 2 „Eine Reifferscheider >> ehelige Heiratsverschreibung << aus dem Jahre 1744“, von Peter Weber)

6) Quellennachweis wie 1

7 Rheinische Kunststätten, Heft 29, S.14, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 1981)

Anmerkung zu 1): Die nach Angaben von Hommen im Bad Breisiger Katholischen Pfarrarchiv befindlichen Originalurkunden

konnten laut schriftlicher Auskunft des Bad Breisiger Pfarrers Hoellen wegen Personalknappheit nicht nachgesucht werden. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass von uns, aus diesem Grund die Urkundenabdrucke aus dem Bericht von Carl Bertram Hommen, „Von Hexen, Schiffern und Papiermachern am Rhein, Ahr und Eifel,“ Bad Breisig 1991, für diesen Beitrag reproduziert Verwendung fanden.


Das Kripper Gericht zur Zeit des Kulturkampfes. © weis/funk 1999

Dem Kripper Völkchen wird seit eh und je von Bewohnern umliegender Ortschaften nachgesagt, dass es für seine Aufmüpfigkeit und seine provokante Sturheit recht bekannt sei.

Die nachfolgende Begebenheit aus der Zeit des Kulturkampfes spiegelt eindrucksvoll die damalige politische Situation und die Loyalität der Ortsbewohner zur Katholischen Kirche wider, insbesondere zeigt sie, mit welchen provinziellen Mitteln sich die Rheinländer gegen die verhalte preußische Obrigkeit wehrten. Die Geschichte begann, als bekannt wurde, dass sich der Weihbischof Dr. Krafft am 23. Mai 1876 während einer Visitationsreise in Linz aufhalten würde. 1)

In dieser Zeit waren offizielle Empfänge kirchlicher Würdenträger bei empfindlicher Strafandrohung untersagt, ebenso das Schmücken der Häuser aus kirchlichen Anlässen.

Die Freude der Bevölkerung über den angekündigten Besuch des Weihbischofs war jedoch derart groß, dass die Linzer Schiffergilde, an der Spitze der Fährmann Rahm, beabsichtigte, trotz amtlichen Verbotes den kirchlichen Würdenträger mit einem Empfang zu würdigen.

Verrat sorgte jedoch dafür, dass dieses Vorhaben den Behörden nicht unbekannt blieb.

Daraufhin warnte der Linzer Bürgermeister Lerner den Fährmann Rahm eindringlichst unter strengster Strafandrohung, eine Begrüßungsfeier in Linz zu Ehren des Bischofs abzuhalten.

Rahm, der nunmehr die offizielle Begrüßung nicht mehr in Linz ausführen konnte, ersann einen neuen Plan, ohne jedoch diesmal die Schiffergilde in Kenntnis zu setzen. Den Bürgermeister beruhigte er mit unschuldigster Miene, indem er diesem versicherte, die Begrüßungszeremonie in Linz finde nicht statt.


Um sein neues Vorhaben zur Ausführung bringen zu können, weihte er nur drei verschwiegene Kripper, die Gebrüder Breuer, ein, die wegen ihrer aufmüpfigen Mentalität für "Späßchen" jeglicher Art gegen die verhaßte Obrigkeit stets zur Mithilfe bereit waren, und einen Nachtwächter.

Rahm organisierte auf rechtsrheinischem Gebiet einige Teertonnen und transportierte diese, in einer Schalde hinter der Gierponte hängend, auf die linke Rheinseite nach Kripp.

Bei Einbruch der Dunkelheit zündeten die Kripper die Teertonnen am Rheinufer an, und der Bischof konnte sich während des Abendessens in Linz an den lodernden Flammen und dem widerspiegelnden Farbenspiel auf den Fluten des Rheins erfreuen. Seine Freude nahm zu, als er erfuhr, dass dieses Lichterspektakel ihm zu Ehren veranstaltet wurde.

Der Bischof veranlasste, dass der Kripper Kirchengemeinde sein Dank ausgesprochen wurde.

Die unterdessen wutschnaubend am Linzer Rheinufer auf- und ab galoppierenden Gendarmen riefen vergeblich den Fährmann, um ans Kripper Rheinufer zum Löschen der Teertonnen übergesetzt zu werden. Dieser aber lag mit seiner Ponte am gegenüberliegendem Ufer und freute sich diebisch über das gelungene Werk.

Der Rhein als natürliche Barriere hatte sich also als Mithelfer erwiesen.

Die Auswüchse dieses politischen Streiches wurden Gegenstand einer vom Landrat zu Ahrweiler angeordneten Gerichtsverhandlung auf Antrag des Neuwieder Landrates, der den Fall mit der Bitte um Aufklärung zuständigkeitshalber dem linksrheinischen Kreisleiter übertrug.

Aus Angst, dass sich die angestaute Aggressivität der Kripper Bevölkerung gegen die Obrigkeit auf die Kreisbevölkerung übertragen könnte, wurde zur Vermeidung einer Eskalation die Verhandlung vor Ort in Kripp anberaumt.

Als Gerichtssaal diente das Lokal der damaligen Gaststätte Hertgen am Kripper Rheinufer, dem heutigen Hotel "Rheingold".

Der Zusammenhalt und die Verschwiegenheit der Angeklagten sorgten für einen prozessualen Eklat.

Denn die Angeklagten, nicht auf den Mund gefallen, parierten die Fragen der Obrigkeit mit Bauernschläue und rheinischer Gelassenheit.

Nachfolgende recht amüsante Vernehmung mit der gespielten "Unwissenheit" der Angeklagten geben die Akten des Landeshauptarchivs Koblenz wieder, aus der vortrefflich die unerschütterliche Ruhe der Kripper zu erkennen ist, die den Vorsitzenden zur Weißglut brachte, aber zur Sache nichts beitrug.


Als Angeklagte erschienen die drei Gebrüder Breuer, der Nachtwächter und der Fährmann Rahm. Als erster wurde der 64jährige Edmund Breuer vernommen. Auf die Frage, was er über diesen Vorfall wisse, erklärte er:" Jo, ühr Häre, do hat ech kein Ahnung vun, ech hat des mettags e klein Ferkel krich und hann stundelang Arbeit domet gehat, ech han üverhaup vun däm janze fürgessen!".

(Ja, ihr Herren, da weiß ich nichts von, ich habe mittags ein kleines Ferkel bekommen und habe stundenlang Arbeit damit gehabt, ich habe ohnehin alles vergessen.)

Als nächstes erklärte der 60 jährige Adolf 2) zur Sache."Wat soll ech davon wesse? Ech soß en de Köch und hat ming Pief angemach, do hooht ech, wie druße alles bälken dääht, am Ring brennt et. No, daach ech, jank och emol sehn, un söns weiß ech vun och nix, ühr Häre!". (Was soll ich davon wissen? Ich saß in der Küche und habe meine Pfeife angemacht, da hörte ich, wie draußen alles schrie, es brenne am Rhein. Na, dachte ich mir, geh auch mal nachsehn, und sonst weiß ich auch nichts davon, ihr Her­ren.)

Aufgrund der bisherigen "sachlichen" Aussagen wurde der 49jährige Johann besonders scharf attackiert und erklärte mit der reuigsten Miene der Welt: "Uehr lew Häre, ech sooß an dem Ovend om Hüsge, hat minge Rehme öm de Hals jehange un wor esu för mech hin am dussele, do kütt op einmol ming Frau und schreit: Hannes kom flöck eruß, et brennt! Do künnt ühr öch denke, dat ech flöck op ming Bein kohm. Wie ech noh sooch, dat et e paar Täärtunne wohre, do wor ech beruhig. Äweer, wenn ech üch sage soll, wie dat passeert eß, dat kunnt ech nit. Et eß jo en Gemeinheit, einer esu verschreck zemaache!".

(Ihr lieben Herren, ich saß an dem Abend zuhause auf dem Abort, hatte meinen Leibriemen um den Hals gehangen und war so vor mich hin am dösen, da kommt auf einmal meine Frau und schreit: Hannes, komm schnell heraus, es brennt! Da können Sie sich denken, dass ich flink auf meine Beine zu stehen kam. Wie ich nun sah, dass es ein paar Teertonnen waren, da war ich beruhigt. Aber, wenn ich Ihnen sagen soll, wie das passiert ist, das kann ich nicht. Es ist ja eine Gemeinheit, jemanden so zu er­schrecken!)

Nach dem Nachtwächter, der überhaupt nichts gesehen hatte, wurde der Fährmann vernom­men. Auf die Frage wen er ei­ner solchen Tat für fähig halte, erwiderte er treuherzig: "Herr Richter, wenn ech offe spreche soll, dann haalen ech de Nachs­wächter, de Voirsteher un die drei Bröder allzusamme dofür fähig, awer mer welle doch keine zo Unrech verur­teile!". (Herr Richter, wenn ich offen sprechen soll, dann halte ich den Nachtwäch­ter, den Vorsteher und die drei Brüder allesamt einer solchen Tat für fähig, aber wir wollen doch keinen zu Unrecht verurteilen!)

Nachdem der Richter gemerkt hatte, dass er sich an der Kripper Sturheit die Zähne ausbiss, beendete er vor lauter Verzweiflung und insgeheimer Wut ergebnislos die Verhandlung mit den Worten: "Schluss!, aus dieser Bande ist doch nichts heraus zu bekommen".


Über die Nachricht der juristischen Niederlage der Obrigkeit brach Freude und Begeisterung unter den Linzern und Krippern aus und gab hüben wie drüben Anlass zu feuchtfröhlichen Feiern. 3)

Diese historische Gerichtsverhandlung hat im Kripper Bewusstsein einen festen Platz eingenommen. Ob dieser Anlass ein Grund für das stets in Kripp beginnende Lichterspektakel "Rhein in Flammen" sein könnte, mag jedem Leser selbst überlassen sein.


Quellen :

1) 1100 Jahre Linz am Rhein, Seite 136, datierte Firmenspendung 22. Mai.

2) Stammbaum des Kripper Schiffers Anton Breuer von 1812- 1827

3) H.P. Kürten , In: Chronik von Kripp, anlässlich des Bestehens des Junggesellenvereins Kripp e.V., 1982

dergl. Unbekannter älterer Zeitungsausschnitt, ohne Datum und Namensangabe

dergl. Willy Weis/ Hildegard Funk, Das Kripper Gericht zu Zeiten des Kulturkampfes, in: Heimatjahrbuch

Kreis Ahrweiler 1999, S.93 ff.,


Der Aufstand der Rheinhalfen 1848. © weis/funk 2002

Bis zum Aufkommen der Dampfschifffahrt hatte die Treidelschifffahrt eine Monopolstellung auf dem Rhein. Dies änderte sich rasch durch die aufkommende stark expandierende Dampfschifffahrt, die die Treidelschifffahrt zusehends verdrängte. Der aus Existenzangst aufkommende Ärger und Verdruss bei den Rheinhalfenkolonnen machte sich schon ab 1830 durch zunehmende Feindlichkeit gegenüber den Dampfschiffern deutlich bemerkbar.

Hatte doch in den Köpfen der Treidler ihre Schifffahrt seit jeher eine Monopolstellung des Gütertransportes auf dem Rhein.1)

Die Situation verschärfte sich nach 1841 rapide, als die Zechenbesitzer Haniel und Stinnes zum Transport ihrer Kohle eigene starke Schleppdampfer auf dem Rhein einsetzten. 2)

Der Konkurrenzkampf eskalierte im Not- und Revolutionsjahr 1848, als die ergrimmten Rheinhalfen zu den Waffen griffen und vorbeifahrende Schiffe beschossen. Dieser „Halfenaufstand“ bestand aus einer fast dreiwöchigen, nicht organisierten Schießerei auf Dampfschiffe. Inszeniert wurde sie von aufgebrachten Rheinhalfen, wobei der Anlass eine in Köln einberufene Versammlung aufgebrachter Segelschiffer gewesen sein dürfte, die zur Rettung der Treidelschifffahrt ein Verbot aller eisernen Kähne und Verstaatlichung aller Schleppdampfer forderte. Als Ausnahme wollte man nur Notfälle gelten lassen, wie Unpassierbarkeit des Leinpfades bei Hochwasser oder Eisgang, Pferdemangel, etc.. Ein auf dieser Versammlung allenthalben umhergehendes „Gerücht“, die Halfen sollten nur auf Schleppboote schießen, „man bürge dafür“, dass dies nicht bestraft würde, dürfte vermutlich die Initialzündung für den Halfenaufstand gewesen sein, dessen revolutionärer Funke Anfang 1848 schnell auf die anderen Treidelstationen von Wesseling bis Weißenthurm übergriff. 3)

Der Halfenaufstand begann mit dem 3. April 1848, als Weißenturmer Halfen und Bauern den Düsseldorfer Radschleppdampfer "Niederrhein II" 4) von den Thurmer Werth aus hinter Erdwällen mit annähernd 90 Schüssen unter Beschuss nahmen. Die Schleppschiffe "Overstolz" (Kapitän Mülleneisen) und "Franz Haniel", wagten daraufhin nicht das von schießenden Halfen besetzte Werth zu passieren und kehrten am 4. April 1848 zum Ausgangspunkt zurück. 5)

Zum Schutz von Schiff und Besatzung wurden rechtsseitig die Ruderstühle und Dampfeinrichtungen der Dampfschiffe mit Blechplatten verkleidet. Somit konnten die Steuermänner während des Beschusses vor Geschossen geschützt ihre Arbeit verrichten konnten. Für den Rudermann auf den Anhängekähnen hatte man ebenfalls eine eiserne Schutzplatte angebracht. 6)

Des Weiteren wurde das Dampfschiff "M. Stinnes" durch Weißenturmer Halfen unter andauerndem Beschuss rheinaufwärts verfolgt. Dabei soll dem Steuermann A. Zell eine Kugel durch die Beine geschossen worden sein. Trotzdem die Dampfschiffer sich mit einem Kanonenschuss auf die uferbegleitenden Halfen wehrten, brachen sie zur Freude der Halfen ihre Bergfahrt am 6.4. ab um talwärts Andernach anzulaufen. 7)

Ein abermaliger Beschuss des „Niederrhein II“ erfolgte am 8. April am gleichem Ort. 8)

Husaren von Bonn wurden zur Aufrechterhaltung der Ordnung nach Weißenturm verlegt. Ein Schiffsbeschuss durch Halfen der Treidlerstation Plittersdorf soll ebenfalls erfolgt sein. Der eiserne Schleppdampfer „de Rijn" wurde am 16.4.1848 von Grau Rheindorf (Bonn) aus beschossen. 9)

Zwei Tage später (18.4) wurden die Schiffe "Franz Haniel I" (Kapitän Hubert Kock) und "Ruhr" (Kapitän Ferdinand Kock) der Reederei Haniel sowie die Schleppschiffe "Math. Stinnes" (Kapitän Franz Ley) und "Ruhrort II" (Kapitän Andreas Stüber) in Wesseling aus den Weiden heraus unter Beschuss genommen. Sie setzten jedoch ihre Bergfahrt fort, wo sie oberhalb Bonn zu ihrem Schutz bewaffnete Truppen an Bord nahmen. Auf der rechten Rheinseite patrouillierten Dragoner, auf der linken Rheinseite Ulanen.

Durch Hilfe mitfahrender Truppen erzwangen sich 5 Schleppschiffe am 29. April 1848 am Weißenturmer Werth die Durchfahrt. Die "Truppen luden während des Übersetzens von Neuwied scharf, worauf das Werth geräumt wurde. 10)


Kripper Aktionen.

Der auf die Treidelstationen am unteren Mittelrhein übergesprungene Revolutionsfunke erreichte auch Kripp.

Um den Untergang der Treidelschifffahrt durch Selbsthilfe aufzuhalten, verschafften sich die Kripper Halfen ihrem Unmut Luft, indem sie die vorbeifahrenden Dampfschiffe tätlich angriffen und mit Flinten, Böllern, ugs"Katzeköpp" und einer Kanone auf die Ruderstühle oder Dampfeinrichtungen vorbeifahrender Dampfschiffe schossen. Einer Überlieferung zufolge lehrte in Kripp ein anwesender Engländer der aufgebrachten Kripper "Halfenwehr" das Exerzieren an einer von ihm beschafften Kanone. 11) Als Munition der großkalibrigen Waffen sollen unter anderem von den Kripper Halfen nicht mehr benötigte Hufnägel, Steine, etc. gedient haben.

Erst das Eintreffen einer Schwadron des 4. Dragoner Regiments aus Bonn sorgte nach kurzem Eingreifen wieder für Ruhe und Ordnung in Kripp und brachte die bis zur Verzweiflung aufgebrachten aufständischen hiesigen Halfen zur Raison.

Die Teilnehmer der gegen die Schleppschiffe in Kripp verübten Gewalttätigkeiten wurden in Bonn "gefänglich untergebracht." 12)

Während ihrer Einquartierung in Kripp weideten die Dragoner ihre Pferde im Flurbereich "Am Dorn", direkt am Ahrmündungsbereich. 13)

Belegt ist lediglich nur ein Beschuss am 9. 4. 1848 der Kripper Halfen auf den 130 PS starken stählernen Radschleppdampfer "Mannheim I" der Mannheimer Dampfschleppschifffahrt, -1842 von der englischen Werft in Greenwich mit den Maßen von 60,35 m Länge und 13,5 m Breite gebaut- , ohne das jedoch die 13 köpfige Besatzung Schaden erlitt. 14)


Foto : Der unter Kripper Beschuss geratene Radschleppdampfer „Mannheim I“ mit Schleppkähnen.


Als Präventivmaßnahme zur Aufrechterhaltung der "öffentlichen Ordnung" wurden mobile Militäreinheiten an verschiedenen Orten entlang des Rheines von Koblenz bis Bonn einquartiert.15)

Der hiesige Treidleraufstand wurde noch im gleichen Jahr endgültig durch Militärpräsenz widerstandslos beendet.


Untergang der Treidelschifffahrt.

Widerspruchslos nahmen jedoch die Treidler ihre erlittenen Einkommenseinbußen nicht hin. Sie protestierten verbal weiter. Erst ein Regulativ durch die Vermittlung der Frankfurter Nationalversammlung konnte die aufmüpfigen Wassergewerbler zufrieden stellen. Schließlich unterlagen die Rheinhalfen im Konkurrenzkampf mit den aufkommenden Dampfschifffahrtsgesellschaften endgültig.

Eine weitere zunehmende Beschleunigung zur Beendigung der Leinschifffahrt dürfte neben der immer stärker aufkommenden Dampfschifffahrt u.a. auch der Ausbau des aufkommenden Eisenbahngüterverkehrs bewirkt haben.

Vorbei war die Zeit, in der Schiffe mit Muskelkraft bergwärts expediert wurden. Aus Wirtschaftlichkeitserwägungen stellten um 1900 auch die letzten Treidelschiffer am Rhein, die aus Rentabilitätsgründen ihr Wassergewerbe nur noch im Nahbereich ausübten, endgültig ihren Betrieb ein.

Selten konnten sich die Halfen auf die neue Schifffahrt umstellen. Die Halfen mussten umlernen und wurden in Kripp teilweise Ziegelbäcker oder Ackerbauern. Die harte Arbeit am und auf dem Strom, durch die in Kripp ganze Familien ernährt wurden, prägte die Menschen und die Sozialstruktur des Ortes Kripp. Mit dem Rückgang der Treidelei auf dem Rhein endete auch ein Stück Kripper Ortsgeschichte.

Heute erinnert nur noch ein 1995 vom Kripper Bürger- und Heimatverein in den Rheinanlagen errichtetes „Böllerdenkmal“ an die Existenzangst und die verzweifelten Aktionen der ehemaligen Kripper „Wassergewerbler“.16)


Quellen: 

 1) Wolfram Sauerbrei, „Treideln am Mittelrhein“ , In: 2000 Jahre Rheinschifffahrt, Landesmuseum Koblenz 1991, S65 ff.
2) Dr. H. Weber (Teil I) und August Linden (Teil II), In: „Oldtimer der Rheinschifffahrt“ -150 Jahre Dampfschifffahrt auf dem Rhein- , Hrsg. Kurt Hill, Binnenschiffsverlag Duisburg- Ruhrort, 1963

3) Stadtarchiv Bonn, II 1626, „Vom Rhein zur Ahr“.

4) siehe Nr. 2, Seite 42, Nr.109, desgl. S.86, Nr.38

5) siehe Nr. 2, Seite 86, Nr. 38

6) siehe Nr. 2, Seite 101

7) siehe Nr. 2, Seite 86, Nr. 35

8) siehe Nr. 2, Seite 42, Nr. 109

9) siehe Nr. 2, Seite 29, Nr. 37

10) siehe Nr. 2, Seite 40, Nr. 98
11) H.P.Kürten. In: Chronik von Kripp, Festschrift anlässlich des 125jährigen Bestehens des Junggesellenverein- Freundschaftsbund Kripp e.V., Seite 6)

12) Beilage zum Bonner Wochenblatt, Nr. 110 vom 20. 4. 1848, Stadtarchiv Bonn

13) Heinz Schmalz. In: ??, maschinenschriftliches Manuskript Kreisarchiv Ahrweiler

14) siehe Nr.2, Seite 37, Nr.7 

15) Bonner Wochenblatt Nr.113 vom 24. April 1848, Stadtarchiv Bonn 16) Willy Weis/ Hildegard Funk, „Bewaffneter Aufstand der Rheinhalfen in Kripp 1848“, in: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2001,S. 135 ff 

Fotonachweis: Repro Willy Weis, mit freundlicher Genehmigung des Verlages entnommen aus „Oldtimer der Rheinschifffahrt“ -150 Jahre Dampfschifffahrt auf dem Rhein- , Hrsg. Kurt Hill, Binnenschiffsverlag Duisburg- Ruhrort, 1963, aus Seite 73, oben rechts.


Kripper Respektlosigkeit. © weis/funk 1994


Und da war noch damals Toni Becker, allseits eher unter dem Namen „de Beckkes Tünnes“ von der Mittelstrassse in Kripp (ehemals Haus Bögeholz) bekannt, der sich mühevoll seinen Lebensunterhalt als ambulanter Schrotthändler mit einem von einem Schimmel gezogenen Wagen verdiente.

In seiner Art war er ein echtes Urgewächs, woran sich so mancher im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne ausbeissen sollte. So auch nach einer wahren Begebenheit der Bürgermeister aus Sinzig.

Auf der Sinziger Ahrbrücke begehrte dieser mit seinem Gefährt auf Grund seines Standes resoluten Vorlass beim Überqueren der dortigen Brücke, obwohl er wegen einer baulichen Straßenverengung den Gegenverkehr berücksichtigen und dort hätte warten müssen. Um sich jedoch den nötigen Respekt und somit einen Vorteil verschaffen zu wollen, rief er nach einem strengen Blickkontakt im barschen Ton seinem Gegenüber, einem Kripper aus echtem Schrot und Korn zu: „Wissen sie eigentlich wer ich bin?, ich bin der Bürgermeister von Sinzig“, worauf sein Gegenüber ihn scharf anschaute und noch dreister erwiderte: „ unn ich benn de Beckers Tünnes, Lompekrämer uss Krepp unn eesch fahre jezz zueesch wegge“. 

1) Mündliche Überlieferung Friedel Valentin, Kripp 1993

Gräfliches Saloncoupe. © weis/funk 1997

....und war einmal der genussfreudige italienische Graf und Grandseigneur Taveggi aus Kripp in irgendeiner Weise in Köln anwesend und wollte seine Heimreise antreten, so wurde dort für seine Heimfahrt auf seinen Wunsch hin gegen ein bestimmtes Honorar ein luxuriöses Extracoupe an den D- Zug angehängt. Dieses Luxuscoupe, indem er alleine während der Fahrt residierte, wurde speziell bei seiner Ankunft am Remagener Bahnhof wieder abgehängt.

Nach mündlichen Angaben von Friedel Valentin +, Kripp

Nobeltaxi um 1900 © weis/funk 1994

Einen recht noblen Fahrgast hatten die Fährleute bei ihrer morgendlichen Überfahrt auf der Ponte (Fähre) von Linz nach Kripp überzusetzen, wenn gnädiges Fräulein Maria-Luise Feith, Tochter des Linzer Burgbesitzers und spätere Besitzerin der Kripper Maria-Luisen-Quelle anspannen ließ und ihren Schulweg antrat. Die jeweiligen Überfahrten waren aus Zeit-und Sicherheitsgründen zuvor als Extrafahrten ohne weitere Fährgäste zwischen dem Linzer Burgherren und dem Fährpächter gegen ein Aufgeld ausgehandelt worden. Als fahrbarer Untersatz diente der Hautevolaute-Schülerin eine Kutsche, die vierspännig gezogen über die Kripper Hauptstraße (heutige Quellenstraße) zur Klosterschule der Insel Nonnenwerth fuhr. Das gleiches Spektakel wiederholte sich in Kripp bei der Rückfahrt. 1)

1)mündliche Angaben Friedel Valentin, Kripp 1994

Das Kripper Tagebuch © weis/funk 1994

Valentin:...verdanken, der die Ortsgeschichte tagebuchartig, fast zeitgleich mit den Ereignissen aufzeichnete.

Valentin; Ein Kripper Bürger schildert glaubhaft Begebenheiten aus der Sicht des kleinen Mannes aus der Zeit von 1876-1920 und resignierte als gläubiger Christ(oder Bürger?) , wie aus seiner letzten Eintragung ersichtlich ist (Seite ??-Glocken) Diese Aufzeichnung verdeutlicht, wie die Weltpolitik, die Ortsgeschichte und die Politik mit den Augen des gemeinen Volkes oder des einfachen kleinen Mannes" gesehen wurde. Die bestechende Einfachheit dürfte hier wohl für die Richtigkeit dieser handschriftliche Aufzeichnung bürgen.


Der Auferstandene © weis/funk 2009

Es war damals in Rheinorten durchaus üblich, das diese in ihren Leichenhallen auf dem Friedhof stets einen Sarg für eventuell unerwartet geländete Wasserleichen in Rerserve zu halten hatten, damit jederzeit eine Einsargung gewährleistet war.

In Kripp hatte Klaus Ronken als „Herr der Gräber“ das Amt des städtischen Totengräbers inne. Für ihn war es durchaus normal, in der hiesigen Leichenhalle, das den Friedhofsbediensteten auch als Aufenthalts-und Geräteraum diente, während seiner wohlverdienten Mittagspause sein tägliches Mittagsschläfchen zu halten.

Infolge fehlender Liegestatt bevorzugte er zu seiner Bequemlichkeit im vorhandenen offenen Sarg auszuruhen. So auch in jener Sommerzeit 1960, wo infolge der großen Hitze die Eingangstüre offen stand. Nun lag da unser Ronken, vor Hitze und Erschöpfung friedlich eingeschlafen im Sarg, in den höchsten Tönen schnarchend.

Vorbeikommende auswärtige Friedhofsbesucher, die zufällig und ungewollt einen Blick in den Sarg warfen, nahmen fluchtartig Reißaus und liefen von dannen. Eine schnarchende Leiche war ihnen derart ungeheuerlich, das sie der Erzählung nach nie mehr wieder in Kripp gesehen wurden. 1)

1) Nach einer Erzählung von Heinz Gries, Kripp, 2009


Eine Moritat

geschehen zu Kripp am Rhein gelegentlich des Glockenfestes am 30. April 1922

zu Fersen geknüppelt von A. Seirröd, in Kolloratur gebracht von F. Negttül und komponiert von einem Dernichtmehrda ist.



Foto


I. Bild


Ist das nicht der Vater Rhein?

Ja, das ist der Vater Rhein.

Fließt er nicht an Kripp vorbei?

Ja, er fließt an Kripp vorbei.

Kripp vorbei, Vater Rhein,

Ja, das ist das Kripp am Rhein.


Ist das nicht ein Rheinschiff hier?

Ja, das ist ein Rheinschiff hier.

Ist das nicht voll Wein und Bier?

Ja, das ist voll Wein und Bier.

Wein und Bier, Rheinschiff hier,

Kripp vorbei, Vater Rhein,

Ja, das ist das Kripp am Rhein.


Ist das nicht der Leinepfad?

Ja, das ist der Leinepfad.

Zieht da nicht ein Pferdepaar?

Ja,da zieht ein Pferdepaar.

Pferdepaar, Leinepfad.

Wein und Bier, Rheinschiff hier,

Kripp vorbei, Vater Rhein,

Ja, das ist das Kripp am Rhein.


Ist das nicht ne Krippe hier?

Ja, das ne Krippe hier.

Steht die nicht vor Schmitzens Tür?

Ja, sie steht vor Schmitzens Tür.

Schmitzens Tür, Krippe hier,

Pferdepaar, Leinepfad.

Wein und Bier, Rheinschiff hier,

Kripp vorbei, Vater Rhein,

Ja, das ist das Kripp am Rhein.


Weißt du nun wie Kripp entstand?

Ja, ich seh´s auf dieser Wand.

Dieser Wand, Kripp entstand

Schmitzens Tür, Krippe hier,

Pferdepaar, Leinepfad.

Wein und Bier, Rheinschiff hier,

Kripp vorbei, Vater Rhein,

Ja, das ist das Kripp am Rhein.


Foto II. Bild


Ist das nicht ein Autobus?

Ja, das ist ein Autobus.

Der nach Neuenahr hin muß?

Der nach Neuenahr hin muß.

Ahr hin muß, Autobus,

So verkehrt das Kripp am Rhein.


Ist das nicht ein Condukteur?

Ja, das ist ein Condukteur.

Weiß er was von dem Malheur?

Ja, erweiß von dem Malheur.

Dem Malheur, Condukteur,

Ahr hin muß, Autobus,

So verkehrt das Kripp am Rhein.


Ist das nicht Postbotens Fritz?

Ja, das ist Postbotens Fritz.

Macht er nicht darüber Witz?

Ja, er macht darüber Witz.

Drüber Witz, Postbotens Fritz,

Dem Malheur, Condukteur,

Ahr hin muß, Autobus,

So verkehrt das Kripp am Rhein.


War das nicht dem Werner seine?

Ja, das war dem Werner seine.

Hatte die nicht kurze Beine?

Ja, die hatte kurze Beine.

Kurze Beine, Werner seine,

Drüber Witz, Postbotens Fritz,

Dem Malheur, Condukteur,

Ahr hin muß, Autobus,

So verkehrt das Kripp am Rhein.


Ist das nicht das Pontenvieh?

Ja, das ist das Pontenvieh.

Ärgert das nicht Leute viel?

Ja, das ärgert Leute viel.

Leute viel, Pontenvieh,

Kurze Beine, Werner seine,

Drüber Witz, Postbotens Fritz,

Dem Malheur, Condukteur,

Ahr hin muß, Autobus,

So verkehrt das Kripp am Rhein.


Foto:III. Bild


Ist das nicht vom Krupp en Bau?

Ja, das ist vom Krupp en Bau.

Platz dem Faß nicht da die Dau?

Ja, dem Platz platz da die Dau.

Da die Dau, Krupp en Bau,

So schafft man in Kripp am Rhein.


Ist das nicht die Wäscherei?

Ja, das ist die Wäscherei.

Wäscht man da nicht allerlei?

Ja, man wäscht dort allerlei.

Allerlei, Wäscherei,

Da die Dau, Krupp en Bau,

So schafft man in Kripp am Rhein.


Ist das nicht ein Nagel hier?

Ja, das ist ein Nagel hier.

Öffnet der dem Gold die Tür ?

Ja, der öffnet Gold die Tür.

Nagel hier, Gold die Tür,

Allerlei, Wäscherei,

Da die Dau, Krupp en Bau,

So schafft man in Kripp am Rhein.


War das nicht mal Stadthalterei?

Ja, das war Stadthalterei.

Machte die nicht Sorgenfrey?

Ja, die machte Sorgenfrey.

Sorgenfrey, Stadthalterei,

Nagel hier, Gold die Tür,

Allerlei, Wäscherei,

Da die Dau, Krupp en Bau,

So schafft man in Kripp am Rhein.


Ist das nicht ne Ziegelei?

Ja, das ist ne Ziegelei.

Läuft da nicht die Polizei?

Ja, da läuft die Polizei.

Polizei, Ziegelei,

Sorgenfrey, Stadthalterei,

Nagel hier, Gold die Tür,

Allerlei, Wäscherei,

Da die Dau, Krupp en Bau,

So schafft man in Kripp am Rhein.


Ist das nicht ne Seltersflasche?

Ja, das ist ne Seltersflasche.

Füllt die nicht dem die Tasche?

Ja, sie füllt dem da die Tasche.

Da die Tasche, Seltersflasche,

Polizei, Ziegelei,

Sorgenfrey, Stadthalterei,

Nagel hier, Gold die Tür,

Allerlei, Wäscherei,

Da die Dau, Krupp en Bau,

So schafft man in Kripp am Rhein.


Ist das nicht ein Lederriemen?

Ja, das ist ein Lederriemen.

Kommandieren hier nicht sieben?

Ja, hier kommandieren sieben.

Dieren sieben, Lederriemen,

Da die Tasche, Seltersflasche,

Polizei, Ziegelei,

Sorgenfrey, Stadthalterei,

Nagel hier, Gold die Tür,

Allerlei, Wäscherei,

Da die Dau, Krupp en Bau,

So schafft man in Kripp am Rhein.


Foto IV. Bild


Ist das nicht ein Jüngling fein?

Ja, das ist ein Jüngling fein.

Führt der nicht die Jungfrau heim?

Ja, er führt die Jungfrau heim.

Jungfrau heim, Jüngling fein.

So treibt Kripp Vereinsmeierei.


Trägt diew nicht ein blaues Band?

Ja, sie trägt ein blaues Band.

Reicht sie dem nicht gern die Hand?

Ja, sie reicht ihm gern die Hand.

Gern die Hand, blaues Band,

Jungfrau heim, Jüngling fein.

So treibt Kripp Vereinsmeierei.


Ist das nicht ne Feuerspritze?

Ja, das ist ne Feuerspritze.

Löscht mit Trester man die Hitze?

Ja, man löscht mit Trester Hitze,

Trester Hitze, Feuerspritze,

Gern die Hand, blaues Band,

Jungfrau heim, Jüngling fein.

So treibt Kripp Vereinsmeierei.


Singt man hier das hohe „C“?

Ja, man das hohe „C“.

Läuft er fort mit Ohrenweh?

Ja, er läuft mit Ohrenweh.

Ohrenweh, Hohes „C“,

Trester Hitze, Feuerspritze,

Gern die Hand, blaues Band,

Jungfrau heim, Jüngling fein.

So treibt Kripp Vereinsmeierei.


Ist das nicht ein Krieger fein?

Ja, das ist ein Krieger fein.

Mag der wohl die Wurst allein?

Ja, er mag die Wurst allein.

Krieger fein, Wurst allein,

Ohrenweh, Hohes „C“,

Trester Hitze, Feuerspritze,

Gern die Hand, blaues Band,

Jungfrau heim, Jüngling fein.

So treibt Kripp Vereinsmeierei.


Mag das wohl sein Orden sein?

Ja, das mag sein Orden sein.

Ist die Brust nicht viel zu klein?

Ja, die Brust ist viel zu klein.

Viel zu klein, Orden sein,

Krieger fein, Wurst allein,

Ohrenweh, Hohes „C“,

Trester Hitze, Feuerspritze,

Gern die Hand, blaues Band,

Jungfrau heim, Jüngling fein.

So treibt Kripp Vereinsmeierei.


Treibt man da nicht Jugendsport?

Ja, da treibt man Jugendsport.

Jagd der Mann nicht alle fort?

Ja, der Mann treibt alle fort.

Alle fort, Jugendsport,

Viel zu klein, Orden sein,

Krieger fein, Wurst allein,

Ohrenweh, Hohes „C“,

Trester Hitze, Feuerspritze,

Gern die Hand, blaues Band,

Jungfrau heim, Jüngling fein.

So treibt Kripp Vereinsmeierei.


Macht der Turner nicht die Hocke?

Ja, der Turner macht die Hocke.

Hängt nun alles an der Glocke?

Nun hängt alles an der Glocke.

An der Glocke, macht die Hocke,

Alle fort, Jugendsport,

Viel zu klein, Orden sein,

Krieger fein, Wurst allein,

Ohrenweh, Hohes „C“,

Trester Hitze, Feuerspritze,

Gern die Hand, blaues Band,

Jungfrau heim, Jüngling fein.

So treibt Kripp Vereinsmeierei.


Kripper Mutprobe. ©weis/funk 2010

Immer schon waren Mutproben unter Jugendlichen beliebt, so auch in Kripp.

Hoch im Kurs war bis vor dem Zweiten Weltkrieg das Anschwimmen an die großen Radschaufeldampfer der Köln-Düsseldorfer-Rheinflotte. Dabei musste dieser von vorn angeschwommen und die Bugkante mit der Hand berührt werden. Danach hatte der Schwimmer, um nicht in den seitlich angebrachten Radkasten des vier Meter im Durchmesser großen rotierenden Schaufelrades zu gelangen, sich so kräftig wie möglich seitlich vom Schiff abzudrücken.

Wie so oft im Leben geht es hundert mal gut, aber eines Tages zog sich ein Schwimmer bei dieser Mutprobe eine erhebliche Verletzung an der Ferse zu, indem er sich nicht weit genug vom Schiff abstoßen konnte und mit der eisenbewehrten Kante eines dieser durch die Rheinfluten pflügenden Radschaufelblattes in Berührung kam. Mit dieser schmerzlichen Erfahrung fand der lebensgefährliche Unsinn ein jähes Ende!


Godenhausschranke © weis/funk 2012

Ein Kripper Kleinbauer beabsichtigte in der Nachkriegszeit seine Geis nach Erkennen der Brunst infolge andauernden Meckerns zum Belegen dem Bock bei einem Bodendorfer Ziegenbockhalter zuzuführen.
Zu dieser Zeit führte die heutige Bundesstraße 266 im alten Verlauf als Chaussee unter der Bezeichnung „Kripper Straße“ unmittelbar am Godenhaus vorbei, wo sich an der dortigen Bahnstrecke Köln-Koblenz ein beschrankter Bahnübergang mit einer nähelich handbetriebenen Schranke befand.

(Hier Foto Godenhaus / Schranke einsetzen!)

Pflichtgemäß hatte der Dienst versehene Schrankenwärter in seinem dortigen Schrankenwärterhäuschen wegen eines zu erwartenden Zuges die Bahnschranke herunter gelassen.
Ein Kripper Kleinbauer, der zur gleicher Zeit mit seiner brunstigen Ziege unterwegs war und an der geschlossenen Schranke warten mußte, verspürte eine dringende Notdurft. Seine Ziege band er kurzerhand und unüberlegt mit der Leine am Schrankenende fest, um sich blitzschnell in der Nähe zu erleichtern. Der Zug bestand leider nur aus einer Lok und ehe der Bauer sich des kleinen Geschäftes entledigen konnte, öffnete sich die Schranke unerwartet früher als vermutet. Dem Drang entsprechend konnte er auch seinen Wasserfluss nicht abschlagen und musste hilflos zusehen, wie mit dem Öffnen der Schranke seine Ziege um ihr Leben strampelnd in die Lüfte gehoben und fast stranguliert wurde. Nach panischer Erledigung seines Geschäftes konnte lauthals der Schrankenwärter dazu bewegt werden, die Schranke wieder der Not gehorchend herunterzukurbeln, damit die geschockte Geis befreit werden konnte.
Leider ist nicht überliefert, ob dieses furchtbare Geschehnis negative Auswirkungen bei der späteren Belegung auf die tierische Wollust der Geis hatte. 1)

Quelle: 1) Mündliche Angaben von Josef Marx ,* 1921.+2012, Kripp

Der SV Kripp und Schalke 04. © weis/funk 2012

Eine wahre Begebenheit.
In der sogenannten „Maggelzeit“ nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Währungsreform (1945-1948) kam das Kripper Urgestein Josef Marx, ugs. besser allseits in Kripp als „Marxe Jupp“ bekannt, auf dem Kölner Schwarzmarkt in Kontakt mit einem Bekannten von Ernst Kuzorra, einem damaligen Spitzenspieler des Fußballvereins Schalke 04, der dessen Fußballschuhe des Hungers wegen zum Tausch gegen Lebensmittel feilbot.

In der Tat waren trotz Armut zu damaligen armen Zeiten richtige Fußballschuhe für jeden Fußballfan etwas „unerreichbares“, einfach ein Traum!

Legende Kuzorra:

Die Fußballlegende Kuzorra, die zwischen 1920 und 1940 mehr als 1000 Tore schoss, davon alleine 1933 14 Tore in einem Spiel, wurde wegen seinen außergewöhnlichen Leistungen, Fairplay und seinem Miteinander als Vorbild in der von der Stiftung Deutsche Sporthilfe gegründeten „Hall of Fame“ des Deutschen Sports - ein bleibendes Forum für Persönlichkeiten, - verewigt.
Als Protagonist des legendären „Schalker Kreisels“ zelebrierte er gemeinsam mit seinem Schwager Fritz Szepan sowie Ernst Kalwitzki ein offensives präzises Kurzpassspiel mit Freilaufen und Dribbeln, dass Schalke 04 zum Erfolg und nach neunmaliger Schlussrunde den sechsmaligen Deutschen Meistertitel brachte.

De Marxe Jupp“, 
begeisterter Fußballfan und Torwart beim Kripper Fußballverein ohne jedoch jemals echte Fußballschuhe besessen zu haben, kam dieses Angebot sehr gelegen. Um seinen Wahnsinnstraum endlich erfüllen zu können, kam es zu ernsten Verhandlungen. Gegen einen Tauschwert von 30 Pfund „Tuffele“ (Kartoffeln) und einer Seite Schweinespeck wurde man handelseinig und die begehrten Fußballschuhe gelangten nun nach Kripp.

Stolz wie ein König über seine neue Errungenschaft präsentierte Jupp diese stets im Kripper „Kasten“ (Tor).Was er jedoch nicht ahnen konnte, war, dass ein anderer Spieler bereits auf diesen Neuerwerb ein neidisches Auge geworfen hatte und diese für seine Zwecke als Stürmer besser hätte gebrauchen können.
Dieser war kein anderer als das damalige hiesige Fußballgenie Cosmas Wolf, der als bester Kripper Spieler mit seinem Können und vielen Torerfolgen die Fußballgegner über die Kripper Grenzen hinaus in Angst und Staunen versetzte.

Nachdem er sich neugierig über die Schuhgröße erkundigt hatte, kam es zu ernsthaften Verhandlungen zwischen den beiden Krippern Vereinskameraden und schließlich zum Wechsel der heißbegehrten ehemaligen Schalker Fußballschuhe gegen ein Paar echt lederne Armeestiefel. Beide Parteien waren mit ihrem Tauschhandel glücklich und zufrieden. 1)
Quelle: 1.) Mündliche Angaben von Josef Marx ,* 1921.+2012, Kripp

Cosmas Wolf. ©weis/funk

Den älteren Krippern besser als „Wolfs Köss“ bekannt, wurde am 15.9.1916 inPissenheim (heute Werthofen) geboren. Nach dem Volksschulbesuch in Kripptrat er als parteiloser Berufssoldat nach vorheriger Arbeits-dienstableistung 1936 beim Reiterregiment 6 in Schwedt an der Oder der Deutschen Wehrmacht bei. Bei seiner ersten Feindberührung im Frankreich-Feldzug am „Großen Donon“(Vogesen) erhielt er das EK II.

Cosmas Wolf

Beim „Unternehmen Barbarossa“ (Rußland-Feldzug) im Mittelabschnitt eingesetzt, gelangte er bis vor die Tore Moskaus. Beim späteren Rückzug erhielt seine Kavallerieabteilung (Aufklärungsabteilung) den Auftrag, den strategisch wichtigen Brückenkopf Memel unter allen Umständen zu halten, um den Rückzug der Deutschen Armee sowie der Flüchtlinge aus dem Samland und dem Kurland über die Nehrung des Kurischen Haffs zu sichern. In vorderster Stellung des Brückenkopfes kämpfte er mit den restlichen 150 Soldaten seiner Schwadron und Soldaten versprengter Einheiten, um sich somit in annähernder Bataillonsstärke gegen die pausenlosen Angriffe der Übermacht an russischen Divisionen mit Erfolg standhaft zu wehren und die Stellung zu halten. Einzige Unterstützung bot dabei das auf See liegende Schlachtschiff „Prinz Eugen“ als schwere Artillerie. Verwundet wurde ihm als Oberfeldwebel Anfang Januar 1945 im Ostseebad Kranz an der Memel für seinen außerordentlich mutigen Einsatz das Ritterkreuz verliehen als Zeichen herausragender persönlicher Tapferkeit.

Nach einem kurzen Verwundetenurlaub in Kripp gelangte er mit der kämpfenden Truppe nach Süddeutschland, wo er sich nach der bedingungslosen Kapitulation in den Bergen bei Oberstdorf versteckte, um sich später in „Räuberzivil“ in Richtung Kripp durchzuschlagen. Nach Kriegsende verzog der in der Mittelstrasse 23 (heute Haus Eheleute Peter Schäfer) wohnende Ritterkreuzträger 1947 berufsbedingt nach Bad Godesberg, wo er mit seiner 1943 geehelichten Frau Marga, geb. Hammer, aus Linz bis zu seinem Ableben wohnte. Er starb am 24.3.2004 in Krefeld und wurde in Bonn-Bad Godesberg beigesetzt. Auf Grund seines leidenschaftlichen erfolgreichen kommunalpolitischen Engagements in ehrenamtlicher Tätigkeit in seiner Wahlheimat wurde ihm dort 1987 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Quelle: Mündliche Angaben Cosmas Wolf, Am Turmhof 1, 53175 Bonn. +


Es gibt eine kleine Anekdote aus der Nachkriegszeit, in der Cosmas Wolf eine Rolle spielte. Es ist eine wahre Begebenheit, in der der Sportverein Kripp und Schalke 04 der Anlass waren:

In der sogenannten „Maggelzeit“ nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Währungsreform (1945-1948) kam das Kripper Urgestein Josef Marx, ugs. .besser allseits in Kripp als „Marxe Jupp“ bekannt, auf dem Kölner Schwarzmarkt in Kontakt mit einem Bekannten von Ernst Kuzorra, einem damaligen Spitzenspieler des Fußballvereins Schalke 04, der dessen Fußballschuhe des Hungers wegen zum Tausch gegen Lebensmittel feilbot. In der Tat waren trotz Armut zu damaligen armen Zeiten richtige Fußballschuhe für jeden Fußballfan etwas „unerreichbares“, einfach ein Traum!