Kripper Glocken ©
© Bericht von Willy Weis und Hildegard Funk
.... eine Zeitspanne von 163 Jahren

Am 9.November 2005 wurde die Glocke an ihren Platz verbracht
Erster Glockennachweis 1832
Der erste Nachweis des Vorhandenseins einer Glocke in der altehrwürdigen Kapelle zu Kripp, dem heutigen Wohnhaus Rübbert in der Quellenstrasse 34, ergibt sich aus einem Eintrag im Kirchenrechnungsbuch vom 29.Juli 1832 über “16 Silbergroschen dem Joh. Tempel und Henr.Lüttgen für Arbeit an der Glocke bezahlt.” Desweiteren erscheinen nachfolgende Eintragungen vom 21.Mai 1838 über “7 Sgr, 6 Gro, Briefporto für den Glockengießer” vom 6.Juni 1938, “4Sgr. Für den Arm an der Glocke befestigen”, vom 15.August 1841 “3Sgr, 6Gr Christoph Breuer für Reparatur und Anbringung eines Glockenseiles” und am 6.Januar 1842 über “3Sgr, für die Reparatur eines Glockenseiles.”, im Manual für die Kapelle zu Kripp von 1834 bis 1874. Da es sich von der Höhe der Forderung her lediglich um eine Reparaturrechnung gehandelt haben kann, ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich bereits schon vor dieser Zeit eine Glocke in der Kripper Kapelle, Johannessaal genannt, befand.

die neuen Kripper Glocken 2005
Anno 1843 dürfte während einer erfolgten umfangreichen Kapellenreparatur das Glockengebälk wegen der bevorstehenden Aufnahme einer zweiten und dritten Glocke vermutlich verstärkt worden sein. Am 19.Mai 1844 gelangten zwei Glocken der renomierten Glockengießerei Claren mittels Pferdegespann nach Kripp. Für die Abholung der Glocken von Bonn nach Kripp wurden einem gewissen “Laurens Breuer 27 Silbergroschen als Frachtlohn” gezahlt. Dieser Glockenkauf erfolgte auf Ratenzahlung, denn 1859 war nach 15 Jahren noch ein finanzieller Rückstand der Glocken laut Kirchenrechnungsbuch auszugleichen.. Die aus Köln stammende, traditionsreiche Glockengießerfamilie hatte den Ruf der guten Herstellung von musikalisch hervorragenden Geläuten durch generationsweiser Übertragung des Geheimnisses des Glockengusses in der eigenen Familie. Der Guss der zwei Kripper Glocken erfolgte in einem 6x10 Meter ehemaligen großen Gebäude in der heutigen Rathausstraße in Sieglar, auf dem jetzigen Krankenhausgelände, woe in holzbeschickter Gießofen das Rohmaterial von Kupfer und Zinn zur Herstellung der Glockenspeise verflüssigte, um die hohlräume der mit Pferdemist gebundenen lehmigen Glockenform in einer dortigen Glockengrube auszufüllen.
2005 Gerüst um den Kirchturm wegen Restaurierung und Glockentausch
Das kleine, in der Kripper Kapelle eingebrachte, bronzene Dreiergeläut von jeweils 13, 17 und 24 Zentnern, befand sich oberhalb der Decke der Aspis und dürfte zur damaligen Zeit der ganze Stolz der Kripper Gläubigen gewesen sein, da die Ausstattung ihrer kleinen Kapelle von den hiesigen Gläubigen mit Sach- und Geldspenden ausgestattet wurde, um die wirtschaftliche Sicherheit der kleinen Religionsgemeinschaft zu gewährleisten.
Der Austritt des Klangvolumens des vorhandenen Bronzegeläutes erfolgte über Oeffnungen des über dem Chor vorhandenen schalloffenen achteckigen Dachreiters mit Schweifhaube und verlief störungsfrei bis 1867, nachdem infolge zwei, in der Mitte durchgefaulte Balken des Balkenlagers unter dem Glockenturm während einer sonntäglichen Messfeier die Decke über dem Altarraum um vier Zoll abgesackt war und sich der zelebrierende Geistliche genötigt sah, den Glockenstuhl mittels Leiter selbst zu inspizieren. Auf Grund des lebensbedrohlich bezeichneten Bauzustandes erfolgten die Sicherungsarbeiten am Glockengebälk ohne mindesten Aufschub mit Untersagen des Glockengeläutens. Nach erfolgter Sanierung läuteten die Glocken weitere 35 Jahre störungsfrei.
Umzug der alten Glocken in die neue Kirche
1902 wurden zwei Glocken des ehemaligen Bronzegeläutes aus dem ausgeweihten Johannessaal in luftiger Höhe der Glockenstube des quadratischen Turmkörpers der neu errichteten katholischen Kirche Kirche, der südöstlich neben dem Chorraum außerhalb des kirchlichen Hauptkörpers integriert und mit einem schlankaufsteigenden achtseitigen schieferbedeckten Spitzhelm bekrönt ist, übernommen. Über den Verbleib der dritten Glocke liegen derzeit keine gesicherten Erkenntnisse vor. Angeblich war sie durch den täglichen Gebrauch rissig geworden.
1911 erfolgte auf Initiative des damaligen Kripper Bürgervereins der Einbau einer Kirchenuhr, deren Zeigerachsen sich in 28 Meter Höhe mittig in den rechteckigen Zifferblättern der vier betürmten Gauben im unteren Turmkranz befinden und durch ein mechanisches Uhrwerk der Firma J.F.Wente aus Bakenheim bis zum Einbau eines vollautomatischen elektrischen Uhrwerkes in 1975 gedreht wurden. Fast unmerklich für viele Kripper Bürger begleitete, von nun an, der viertelstündliche Glockenschlag der Kirchenuhr den Tageszeitablauf.
Zum Leidwesen der Kripper Gläubigen wurden beide Bronzeglocken nach 73jährigem Läutedienst im ersten Weltkriege infolge der staatlichen Metallmobilmachung zur Einschmelzung für Kriegsgüter 1917 requiriert und aus dem Turm geholt. Für die religiös verwurzelte Landbevölkerung glich der fehlende Glockenklang beinahe einem Weltuntergang. Hierzu notierte der Kripper G.Valentin in seinem Tagebuch traurig und resignierend:
”1917 ist die (mit 28 Mann zu läutende) Kaiserglocke aus dem Kölner Dom in Stücke geschnitten und heruntergeholt worden. Ein Kunstwerk von 504 Zentnern; wer weiß, ob in 100 Jahren nochmals so eine Glocke hergestellt wird. Nun hatten die Fanatiker doch Ruhe. Mit unseren Kirchenglocken ist es ebenso gegangen. Unser Herr Pastor hatte nichts eiligeres zu tun, als ebenfalls die Glocken herunterzuholen (weil nach Verordnung) und teilweise, weil e skein harmonisches Geläut gewesen sein soll. Die anderen Geistlichen Herren aus der Umgebung hatten es nicht so eilig. Sie haben ihre Glocken noch alle. Was ist das für ein herrlicher Genuss, wenn man die Glocken läuten hört. Bloß wir sind die Dummen und hören nichts. Zu keener Messe, zu keinem Hochamt, zu keinem Begräbnis, rundum zu nichts. Nur ein paar dumpfe Schläge auf ein Stück Blech (Kirchenuhr) dröhnen vom Turm der Kathedrale. Ist das nicht traurig, so lange ohne kirchliches Zeichen zu sein. Wer trägt nun die Schuld?”
Der Wunsch nach neuen Glocken

Die dank der großen Opferbereitschaft der hiesigen Bevölkerung in Auftrag gegebenen neuen drei Gußstahlglocken im Klangton “ E, Fis, und Gis” von der Glockengießerei Schilling&Lattermann aus Apolda/Thüringen erreichten 1922 Kripp und fanden nach einem feierlichen Umzug und der Weihe, Aufnahme in der hochgelegenen Glockenstube des Kirchenturmes.

Für die Kripper war es ein freudiges Ereignis, als wieder das Klanvolumen der Glocken als harmonisch klingende Stimme des Ortes, sei es in Freud oder Leid, durch die vorhandenen Schallluken in alle Himmelsrichtungen drang und die Gläubigen zum Gebet rief. Das angeforderte Material zum Bau des Glockenstuhls lieferte der Remagener Stadtwald. Die Angelusglocke mit der Inschrift im äußeren Glockenrad “Maria mit dem Kind lieb/uns allen deinen Segen gib – 1922”. War die kleinste Glocke. Als oberste Glocke im Glockenstuhl schlug sie mit Gis-Tonlage jede Viertelstunde. Die mittlere glocke (Fis) mit der großen Glocke auf einer Ebene nebeneinander. Ihre Inschrift lautete: Heilig heilig Herr Gott Sabaoth – 1922” und auf der großen Glocke stand:” Barmherzigkeit Friede und Liebe werde Euch allen in Fülle – Judas Thadäus”. Die große Glocke (E-Tonlage) gab den Stundenschlag der Kirchenuhr an.

So erklang nach kriegsbedingter fünfjähriger Abstinenz nun ein dreistimmiges Glockengeläute vom Turm, das die Möglichkeiten des “Beierns”, ein traditionelles Festgeläute als Taktläuten nach genau festgelegtem melodischem Rhythmus durch Anschlagen der Klöppel von Hand an die nicht schwingenden Glocken, das in früheren Zeiten zur Einstimmung an Fest- und Feiertagen üblich war, mittels einer im Turm befindlichen Hilfsglocke ermöglichte. Die mit Seilen angebundenen Klöppel aller Glocken befanden sich dabei konstant einige Zentimeter vom Glockenrand entfernt und wurden von dem Beiermann, der diese an Armen und Beinen festgebundenen Seile im melodischen Rythmus anstraffte, gegen den Glockenrand geschlagen. Dieses Festgeläut wurde alljährlich bei kirchlichen und weltlichen Festtagen am Spätnachmittag des Vormittages bis annähernd zum 2.Weltkrieg durchgeführt. Anton Schumacher (1860 bis 1936) fungierte lange in Kripp als Beiermann und bildete später den Nachwuchs in diesem speziellen musikalischen Fach aus.
Vom lokalen Humor zeugt der Glockenvers, der durch das Beiern eine Festtagsstimmung einläutete, der seit Kriegsende 1945 für die Kripper Ohren nicht mehr vernehmbar war. "Faul Fisch und Finte, ruch ens wat es stinke" oder "Spinatgemöös und Limmesjenfleisch, dat es de Remagener ihr Kirmesspeis, dat denk eis, dat denk eis."
Diese alte Tradition wird seit dem 2.Weltkrieg in Kripp nicht mehr gepflegt.
Eine weitere Besonderheit stellte in Kripp eine Zeit lang das spezielle Abläuten der Totenglocken vor Einbruch der Dunkelheit am Sterbetag dar. An Hand des Glockenspiels war zu erkennen, ob ein Mann, eine Frau oder ein Kind verstorben war. Bei einem Mann wurde mit der großen Glocke begonnen, dann wurden alle drei Glocken zusammen geläutet und wieder mit der großen Glocke ausgeläutet. Bei einer Frau wurde mit der mittleren begonnen, dann läuteten alle drei Glocken zusammen, und ausgeläutet wurde mit der mittleren Glocke. Bei einem Kind begann man mit der kleinen Glocke, dann wurde die mittlere dazugeläutet. Bis zum Einbau des elektrischen Läutewerks 1975 versahen die Messdiener, außer beim Angelusläuten, den Läutedienst.
Glockennachwuchs
Neben dem Klangvolumen der Glocken der Katholischen Pfarrgemeinde gesellte sich nach dem Bau der Evangelischen Kirche in Kripp ab dem Reformationstag 1966 noch ein Glockenensemble von drei Bronzeglocken hinzu. Die mit nachfolgenden Schriftbändern versehenen Bronzeglocken der Glockengießerei Rincker aus Sinn (Dillkreis) fanden in einem unaufdringlich nördlich vor dem eigentlichen Kirchenkörper stehenden 16 Meter hohen quadratischen Stahlbetonturm, dessen oberer Turmabschluss ein großes Kreuz bildet und die Ost- und Westwand als Schallaustritt wabenartig durchbrochen ist, ihre Aufnahme. Die Glocke im Klangton "h" mit dem Majuskeln "Erhalte uns Herr bei deinem Wort" "+" oben und "Kripp" unten ist die größte. Die mittlere Glocke mit Klangton "cis" trägt die Majuskeln "Lasset uns wahrhaftig sein in der Liebe" (oben) sowie "Kripp" (unten). Die kleinere Glocke im Klangton "a" trägt die Majuskeln "Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht" + (oben) "Kripp" (unten). Fast 39 Jahren läuteten diese Glocken in Eintracht und Harmonie neben den stählernen Glocken der katholischen Pfartrgemeinde einher.
Glockenwechsel
Im November 2005 fand im Kirchturm der kath. Pfarrkirche zu Kripp das historische Ereignis einen Glockenwechsels statt. Das bisherige harmonische gusseiserne Dreiergeläut, das annähernd 83 Jahre lang die katholischen Kripper Gläubigen zu allen Zeiten zum Gebet rief, stellte mit seinen alterbedingten Verschleißerscheinungen ein Sicherheitsrisiko dar und wurde aus dem Glockenturm entfernt. Nach erfolgter Umrüstung des Glockenstuhls fanden nun gebrauchte Bronzeglocken des bereits am 16.Dezember 1960 in Saarbrücken geweihten Vierergeläuts der dortigen St.Paulus Pfarrei ab 9.November ihren Platz in der Kirche. Das gebrauchte Glockenensemble, das wegen des bereits erfolgten Abrisses des dortigen Kirchturmes wegen Betonschäden zum Verkauf stand, wurde von der hiesigen Katholischen Pfarrgemeinde erworben.
Gegossen wurden die Glocken "Zur Ehre Gottes im Jahre des Herrn 1960 für die Kirche St.Paulus Saarbrücken" bei der Glockengießerei Mabillon in Saarburg. Dieser Schriftzug in Latein befindet befindet sich auf jeder Glocke. Die "Christus König" Glocke "cis" ist die größte Glocke, gefolgt von den Glocken "Hl.Apostel Paulus" im Klangton "e", der "fis" Glocke "Maria Königin, Mutter und Jungfrau" und der kleinsten Glocke "Hl.Jakobus und Katharina" im Klangton "a".
Insgesamt haben bis heute 15 Glocken, einschließlich der 1871 erfolgten Ausstattung der Hochwassernotkapelle mit einer kleinen Glocke laut dem Eintrag "18.Mai 1871, 5Th,1Sgr und 8Pfg. Ein Glückgen ins Kapellgen an Schäfer Sinzig" im Kirchenrechnungsbuch (Manual für die Kapelle Kripp 1830-74) sowie der kleinen Glocke von 1994 in der neu erbauten Friedhofskapelle als letztes akustisches irdisches Klangzeichen vor der Bestattungszeremonie, das kulturelle Leben des Ortes Kripp mit ihren akustiscchen Schallzeichen über 163 Jahre hinweg, mit Ausnahme einer fünfjährigen kriegsbedingten Auszeit, von 1917 bis 1922, beinflusst und ihren Dienst getan.
Alle Schriftzüge auf den neuen Glocken in Latein
Glocke Christus König:
Dem König der Ewigkeit, dem Unsterblichen und Unsichtbaren, dem alleinigen Gott, sei Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen
Glocke Hl.Apostel Paulus:
Hl. Paulus, du Apostel, Verkünder der Wahrheit und Lehrer der Völker, Schutzpatron unserer Kirche, und unserer Pfarrfamilie bitte für uns
Glocke Maria Königin, Mutter und Jungfrau:
Du Königin des Weltalls, du Wüdigste, du unsere Mutter, du Gütigste, Maria, du Jungfrau durch alle Zeit, leg Fürsprache bei uns ein um Frieden und Heil.
Glocke Hl.Jakobus und Katharina:
Demütig bitten wir dich, o Gott, dass wir mit Hilfe der verdienste und Fürsprache des Hl.Jakobus und der Hl.Katharina zu Christus, deinem Sohne, gelangen mögen.