Kripper Ziegeleien  ©

© Bericht von Willy Weis und Hildegard Funk

Der Ort Kripp, an Rhein und Ahr gelegen, wird im Volksmund heute noch oft „Et Leimbäckerdorf Krepp" genannt. Seine mächtigen Lehm und Kiesvorkommen bestimmten annähernd 150 Jahre lang die Industrie dieses Ortes. Der in der Kripper Gemarkung gefundene und im offenen Tagebau geförderte Lehm wurde zu Ziegeln geformt und durch Brennen zum Baustoff verfestigt.

Der Grundstoff des Ziegels lieferten die natürlichen und oberflächennahen Lagerflächen des Kripper Auenlehms. Auf Grund der Lehmvorkommen mit großer Mächtigkeit, wurden nach 1800 eine große Anzahl von handwerklichen Kleinziegeleien als „Steinverarbeitende Betriebe" hier gegründet. Die meisten wurden als bäuerliche Nebenerwerbsbetriebe geführt. Sie verhalfen vielen Krippern über 150 Jahre lang zu Arbeit und Brot.

                                
                               Die ehemalige Kripper Ringofenziegelei mit der vom Jahrhunderthochwasser überfluteten
                               Kripper Chaussee am Neujahrstag 1926
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Ab 1901 erfolgte dann nach allgemeiner Geschäftsstockung für die Steinindustrie ein schwerer konjunktureller Einbruch, wovon Kripp jedoch wegen einiger Großbaustellen (Bau der Pfarrkirche und des Wasserturms) zunächst nur mittelbar betroffen war.

Allerdings begann dann auf Grund des neu aufkommenden Bimssteins als Baumaterial der Niedergang der Ziegeleien. Die Epoche der Ziegeleien in Kripp endete endgültig mit dem Abkühlen der Brennkammern des Ringofens 1959. Heute sind auch die Kripper Lehmvorkommen weitgehend erschöpft.

Zur Struktur des Ortes Kripp

In Kripp lebte die Bevölkerung bis zum Beginn des 19.Jahrhunderts überwiegend von der Landwirtschaft oder der Rheinschifffahrt. Dies wandelte sich nach dem Niedergang der Leinschifffahrt grundlegend. Aus den Rheinhalfen wurden Ziegler. Viele Kripper waren fortan als Tagelöhner in Kleinziegeleien tätig.

Um 1860 waren in den damaligen Feldziegeleien 46 Tagelöhner und 5 Ziegelbesitzer tätig. Das war fast die Hälfte aller Haushaltsvorstände. Zeitweilig arbeiteten hier schon vor 1900 neben den einheimischen Ziegelarbeitern auch Wanderarbeiter aus Holland, England und dem Lippischen. Als Ziegelkolonnen verdingten sie sich zum Festpreis für eine ganze Saison. Sie wohnten überwiegend in einer „Ziegelbude", einem kleinen und einfachen Unterkunftshaus, das nebenbei auch noch als Werklager und Aufenthaltsraum der Ziegler diente.

Kripp wurde ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts durch Ackerbau, handwerkliche Betriebe und Ziegelbäckereien geprägt. Das ist heute noch im alten Ortskern mit seinen kleinen Höfen und Arbeiterhäusern erkennbar.
Für den immer größer werdenden Bedarf an Baumaterial, wurde um 1900 die Ziegelherstellung durch den Einsatz von Maschinen mechanisiert. Diese Fabrik zur Ziegelherstellung auf der Oberkripp verdrängte überwiegend die „wilden" Feldziegeleien die sich im Bereich vom Rhein bis zur heutigen Eisenbahnlinie Köln-Koblenz, vom Badenacker in Kripp bis hinter den Baumschulenweg erstreckten.

Der gesamte Oberbelag des hiesigen Lehmbodens wurde als abbauwürdig erachtet. Auf Grund der zahlreichen Kleinbetiebe war fast der gesamte Ort von Straße zu Straße ausgeziegelt. Später wurden dann die dadurch entstandenen Gruben mit Abraumaterial nach und nach wieder verfüllt.

Wegen der hervorragenden Qualität des Rohstoffs Lehm, wurde der Kripper Ziegel bis nach Köln hin von vielen Architeken geschätzt.

Die Kripper Feldziegel des Johann Wahl

Über die harte Arbeit in einer Feldziegelei hat uns der Zeitzeuge Balthasar Wahl (+2000) berichtet. Aus der Überlieferung seines Vaters Johann Wahl (1880-1950), der ehemals Brennmeister, Ziegel- und Kiesgrubenbesitzer in Kripp war, konnte er die Betriebsablaufe in der Ziegelgrube und Feldbrennerei an der Voßstraße, Neustraße und Am Ziegelfeld anschaulich schildern.

Johann Wahl arbeitete um 1930 mit seiner Belegschaft als Subunternehmer für die Andernacher Firma Rasselstein. Nach erfolgtem Lehmabstich schleppten die Ziegler aus der Ziegelgrube den Lehm in Lehmvögeln (Lehmbehälter zum Schultern) hinter die Ziegelbude (Wohnraum der Ziegler), wo sich zwei große Holzbottische befanden, in denen die Lehmvögel geleert und deren Inhalt mit dem Wasser aus der „Pötz" (Brunnen) angereichert wurde.

Dieser Arbeitsgang geschah stets im Wettbewerb, denn es wurde unter den Zieglern darum gewetteifert, wer den meisten Lehm zum Wasserbehälter „buckeln" konnte. Dabei waren Lehmmengen von fast zwei Zentnern auf dem „Buckel" der Tagelöhner keine Seltenheit. Mit der Tagesleistung gaben die Ziegler dann untereinander an.

In den großen Bottichen wurde der genässte Lehm mit bloßen Füßen so lange getreten, bis das Gemisch eine weiche Masse für das Handstrichverfahren ergab, damit beim Einwurf in die Form diese vollständig ausgefüllt war und somit ein vollkantiger Ziegel entstand. Die Konsistenz und die Wucht des Einwurfes durch den „Ziegelschläger" waren ausschlaggebend für die Zähigkeit des Ziegels. Überflüssiges Material wurde mit einem Holz über die Formkanten abgestrichen.

Ein guter „Ziegelschläger" fertigte in einer Stunde annähernd 100 Steine. Die gefüllten, mit eisenbeschlagenen Griffen versehenen Formen, wurden von den jüngsten Zieglern (Ziejeljonge) auf lange mit Sand bestreute Holztische zur Lufttrocknung in Abständen von 2 cm aus der Form gekippt. Alle Arbeiten im Ziegelgewerbe geschahen stets im Laufschritt.

Nach einer Antrockenzeit von zwei Tagen wurden die Ziegel dann geharkt, d.h. gewendet, damit die Unterseite des Ziegelsteins ebenfalls austrocknen konnte. Die nächste Steinlage wurde diagonal auf die ausgetrockneten Ziegel gestellt, damit eine ausreichende Luftzirkulation gewährleistet wurde. Maximal wurden in zwei Tagen zwei Lagen mit je 3 Ziegelsteinen auf einer Bahn belegt, damit der angetrocknete Steinkuchen sich nicht durch die aufliegende Last der darauf liegenden Steine deformierte. Als Wetterschutz diente ein provisorisches Strohdach, das die Tische abdeckte, damit ein Regenschauer den angetrockneten Lehmstein nicht wieder aufweichte und zerfließen ließ. Nach erfolgeter Lufttrocknung wurden die Ziegel im nahe gelegenen Feldbrandofen, der von oben zur Feuerung durch kleine Löcher mit Kohle beschickt wurde, zu einem verschleißfesten Ziegel gebrannt.

Ein guter Ziegler musste die Eigenschaft des Materials mit dessen Formbarkeit und Brennbarkeit genau abstimmen, denn sie spielte bei der Ziegelherstellung eine entscheidende Rolle, da die Steingüte erst beim Brennen feststand. Die Brenndauer war für die Festigkeit von entscheidender Bedeutung. Sie bestimmte die Ziegelqualität. Gut gebrannte Steine nahmen kaum Wasser auf.

Um ein Verbrennen der Steine zu vermeiden, musster der Brennmeister dafür Sorge tragen, dass die Steine entsprechend gestapelt wurden. Bei Steinen, die zu nahe an der Feuerstelle lagen, bildete sich Schmolz, ein schwarzbläuliches glashartes Brenngeschwür. Diese Fehlbrände wurden dann als Deputatsteine ausgesondert. Der Feldbrandofen wurde während des gesamten Brennvorgangs zur Wärmeisolation mit Lehm abgedeckt und zum Entleeren seitlich ausgeräumt.

Die an den Brennöfen anfallende Ausschuss- und Bruchziegelware wurde als Deputat oder Minderware gegen eine ausgehandelte Menge Branntwein an die Kripper Bevölkerung abgegeben. Viele Häuser in Kripp, insbesondere in Brennofennähe, wurden aus Ziegelbruch hergestellt. In Kripp bezeichnete man sie daher auch als „Schnapshäuser".

Im Umkreis eines Brennofens wurden die kleineren Ausschuss- und Bruchsteine auch einfach belassen. Dieses Gebiet nannte man später dann umgangsprachlich „et Schirvelefeld" (Scherbenfeld). Noch heute zeugen diese Ziegelsteine in der Gemarkung beim Umgraben der hiesigen Gärten von Standorten ehemaliger Feldbrandöfen.

Die jährliche Saison der Ziegelarbeiter endete jedes Jahr im august um den Laurentiustag.

Ringofenziegelei in Kripp

Die große plan- und industrielle Ausbeutung der reichhaltigen Kripper Lehmvorkommen erfolgte durch die Errichtung einer industriellen Ringofenziegelei hinter der Lederfabrik am westlichen Ortsausgang. Die Ziegelherstellung wurde dadurch mechanisiert. Mit der Dampfziegelei hielt der Fortschritt um 1900 Einzug in die Ziegelherstellung in Kripp. Der mündlichen Überlieferung nach soll der amerikanische Millionär Heitemeyer um 1900 eigens zum Bau seiner nebenliegenden Lederfabrik zuerst die Dampfziegelei errichtet haben, um damit das nötige Baumaterial unmittelbar vor Ort preiswert herzustellen. Nach dem Betriebsbeginn der Lederfabrik soll er die Ziegelei als eigenen Betrieb an seinen Schwager weiter verkauft haben.

Die Anlage der Kripper Ringofenziegelei bestand aus einem Ringofen mit einem hohen Schornstein, einem Kesselhaus mit Dampfmaschine als Herzstück aller drehenden Einrichtungen, einer Produktionshalle und einigen Trockenschuppen, in denen die rohziegel vor dem Brennen zum Trocknen aufgestellt wurden, sowie einer Förderanlage.
Der Transport der fertigen Ziegel erfolgte durch das Kripper Hauderergewerbe. Für den Schiffstransport am rhein war am Kripper Rheinufer eigens ein Steiger vorhanden.

Nach der Übernahme durch die Firma Faßbender wurde erstmals ab 1928 die klinkerproduktion sowie die Herstellung von Hohlblocksteinen (System Avanzini) aufgenommen, wobei die Herstellung einen Blendziegels einer besonderen Behandlung bedurfte. Diese besseren ziegel für Backsteinverblendungen konnten nicht wie die gewöhnlichen Ziegel hergestellt werden, sondern mussten auf Brettchen liegend unter Vermeidung jeglicher Erschütterung zur Trockenvorrichtung überführt werden. Wurden dunklere Farben gewünscht, so mussten die Steine gräuchert werden. In Folge größerer Verluste kam der Betrieb Ende 1930 zum Erliegen und wurde von der Firma Hoffmann übernommen.

Die Nachfolgefirma Ludowici (1950), die Ziegel-und Bimssteine produzierte, stellte 1959 die Ziegelsteinproduktion ganz ein und spezialisierte sich ausschließlich auf Beton- und Bimsprodukte
1960 wurde der Betrieb an die Firma Beton-Union verkauft, die sich nur noch auf diese modrne baustoffverarbeitung spezialisierte.

Mit dem Abbruch der ehemaligen Dampfziegelei wurde Ende der 2970er Jahre begonnen. Lediglich die im heutigen Gewerbegebiet befindliche Straßenbezeichnung "Ringofenstraße" lässt noch ein historisches Betriebsgelände vermuten, das ehemals vielen Menschen in Kripp Arbeit und Brot gab.